Gerard Johnstones Horrorpuppe M3gan geht in die zweite Runde. Diesmal ist der Horrorfilm gemünzt auf die großen Themen der Gegenwart, denn jetzt steht die KI-Puppe Amalia im Vordergrund. tipBerlin-Filmkritiker Bert Rebhandl hat den Science-Fiction-Film „M3GAN 2.0.“ gesehen.

Als die KI-Puppe „M3GAN“ (Model 3 Generation Android) vor drei Jahren mit einem ersten Film auftauchte, da ging es noch weitgehend um Kinderspielzeug und eine überforderte Mutter, aber auch damals schon im Grunde um das Ganze: wie lange werden uns die kleinen Helferdinge im Haushalt zur Hand gehen, und wann übernehmen sie das Kommando? „M3GAN“ ist als Tochtersitterin jedenfalls eher mit Vorsicht zu genießen. Der Horrorfilm aus dem Nischenstudio Blumhouse war so erfolgreich (bei überschaubaren Kosten), dass eine Fortsetzung sich von selbst verstand. Allerdings musste jemand dazu etwas einfallen. Diese Aufgabe hat Gerard Johnstone selbst übernommen, der nun neben der Regie auch das Drehbuch verantwortet.
„M3GAN 2.0“ ist mehr als nur eine Fortsetzung
Um es kurz zu machen: „M3GAN 2.0“ ist nicht einfach eine Fortsetzung (ein Sequel), die mehr oder weniger das Gleiche noch einmal durchspielt, sondern eine kluge Weiterentwicklung. Die Konstellation bleibt dabei im Kern die gleiche: Die Tech-Entwicklerin Gemma (Allison Williams) ist immer noch geschockt, was sie der Welt mit der Puppe M3GAN zugemutet hat (die sich als tödliches Tool erwiesen hat), während ihre Tochter Cady (Violet McGraw) nicht ganz so negativ auf M3GAN zu sprechen ist. Sie sehnt sich immer noch nach einer Freundin.
Nun taucht ohnehin Konkurrenz auf: Eine neue KI-Figur namens Amelia hat ganz andere Zielgruppen, nun geht es um Staaten und Kriegstechnik, die erste Szene spielt, als hätte da jemand etwas geahnt, an der türkisch-iranischen Grenze. Amelia ist ein Kampfroboter, gefährlich ist sie aber vor allem für eine amerikanische Demokratie, deren Hauptthema derzeit die große kalifornische Verschwörung ist – der drohende Coup durch die Tech-Magnaten. „M3GAN 2.0“ erfindet eine besonders langfristige Tradition und beginnt bei einer Firma, die mit Kopiergeräten groß wurde (ob der Name Xenox bei heute jungen Menschen überhaupt noch als Anspielung verstanden wird?).
„M3GAN“ hatte den einen oder anderen lustigen Moment, blieb aber im Wesentlichen ein Horrorfilm, wie es auch zum Markenkern von Blumhouse gehört. Der Clou an „M3GAN 2.0“ ist nun, dass Gerard Johnstone die Geschichte vor allem als Komödie anlegt, und zwar als eine klassische B-Film-Komödie, also halb als Schundfilm. Das passt zum Riesenernst des Themas, und verleiht den vielen rasant präsentierten Ideen (Chips an der Schläfe etc.) eine gewisse ironische Note. „M3GAN 2.0“ arbeitet mit lustvoller Übertreibung, trifft aber doch eines der großen Themen der Zeit sehr gut.
- M3GAN 2.0 USA 2025; 119 Min.; R: Gerard Johnstone; D: Allison Williams, Violet McGraw, Amie Donald; Kinostart: 26.6.
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