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Filmkritik

„Nackte Tiere“ von Melanie Waelde: Unkaputtbare Jugend im Umland von Potsdam

Drama Katja ist eine Kämpferin. Sie macht Jiu Jitsu und bringt das auch Kindern bei. Den ganzen Film „Nackte Tiere“ von Melanie Waelde hindurch plagt sie sich mit einer Verletzung. Ihre rechte Hand ist gebrochen, na ja, „ein bisschen“. Ein Kühlbeutel, den ihr jemand schenkt, um den Schmerz zu lindern, wandert dann herum in der kleinen Gruppe, mit der Katja meistens zu tun hat.

"Nackte Tiere" von Melanie Waelde
„Nackte Tiere“ von Melanie Waelde. Foto: deja-vu Filmverleih

Sascha, Schoeller, Laila, Benni. Alle kurz vor dem Abi, aber mit unterschiedlicher Motivation. Alle so ein bisschen verloren, ohne Halt von den Eltern. Sie leben in einer prekären Autonomie, ihre improvisierte Wohngemeinschaft hat nichts von Träumen vom frühen Ausziehen, sondern eher etwas von einem Notquartier. Ihre Zärtlichkeiten werden schnell einmal zu Balgereien, Raufen ist der andere Sex.

Sensibler Problemfilm: „Nackte Tiere“ von Melanie Waelde

Melanie Waelde erzählt von Katja und ihren Freunden (allesamt gut besetzt, angefangen mit Marie Tragousti in der Hauptrolle) auf eine direkte, unverstellte Weise, nahe dran mit einer Kamera, die fast so etwas wie eine weitere Person sein könnte. „Nackte Tiere“ fängt so einen Zustand ein, für den Problemdiagnosefilme über Unterschichtjugend nie so richtig ein Gespür entwickeln, während Melanie Waelde vor allem auf diese Sensibilität setzt, die nichts bestimmen will: ein Leben vor dem Leben, in einer Gegend, in der wirklich nahezu nichts los ist. Gedreht wurde im Umland von Potsdam, in einer Regio-Gegend, wie die Regisseurin diese Welt nennt.

Katja nimmt das alles hin, „unkaputtbar“, wie einmal jemand zu ihr sagt. Doch was geht wirklich in ihr vor? Das bleibt weitgehend ein Rätsel. Und zwar wohl mit Absicht.

D 2020. 83 Min.; R: Melanie Waelde; D: Marie Tragousti, Sammy Scheuritzel, Luna Schaller; Kinostart: 24.9.


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