Hesse-Verfilmung

„Narziss und Goldmund“ im Kino

Liest eigentlich noch jemand Hermann Hesse, dessen Romane wie N“arziss und Goldmund“ oder „Der Steppenwolf“ den Heranwachsenden der 1960er- und 1970er Jahre zur trostspendenden Identifikationsliteratur gereichten?

Narziss und Goldmund, Foto: 2018 Jürgen Olczyk/ Sony Pictures

Gestaltete der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1946 darin doch häufig den Konflikt eines Helden mit seiner Gegenwart und thematisierte Fortschrittsskepsis, Naturverbundenheit und Spiritualität. Ist das noch aktuell?

„Narziss und Goldmund“, eine der berühmtesten Arbeiten Hesses, 1930 erschienen, handelt von der unverbrüchlichen Freundschaft zwischen zwei grundverschieden temperierten Burschen, die einander in einem Kloster kennenlernen; und während Narziss dort bleibt und sein Leben dem Nachdenken über Gott und die Welt weiht, zieht Goldmund in eben jene hinaus und fordert denselben heraus. Es dreht sich also alles um den fundamentalen Widerstreit zwischen vita activa und vita contemplativa und um die Frage, ob Sex and Drugs and Rock’n’Roll oder kritische Reflexion die angemessenere Antwort auf die Verlockungen des Irdischen sind. Unschwer zu erkennen: Die Sache ist topaktuell.

Und genau so geht Stefan Ruzowitzky sie auch an; er bläst den Staub vom Klassiker, baut den Turbo ein und erzählt die Geschichte der ungleichen Brüder im Geiste als Abenteuerfilm mit ordentlich Schmackes. Er wagt ein Historienspektaktel mit opulenten Kostümen und prächtiger Ausstattung, bunt, lebendig und prall, und entfesselter Fantasie vor traurigem Realismus immer und unbedingt den Vorzug gebend. Ruzowitzkys grundredliche und tief aufrichtige Adaption des großen Romans ist von einem solchen Urvertrauen in die Kraft seines Stoffes erfüllt, dass einem bald schon gar nichts anderes übrig bleibt, als all die Einwürfe, die sich freilich finden ließen, denn das tun sie immer, in den Keller für kleinkarierte Kleingeister zu verbannen. Und einfach nur zu glauben, so wie früher an Hesse.

Narziss und Goldmund D 2020, 118 Min., R: Stefan Ruzowitzky; D: Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, Henriette Confurius, Start: 12.3.

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