Filmkritik

„Schlaf“ mit Sandra Hüller: Heimathorrorfilm im Harz

Horror Monas Mutter Marlene wird von wiederkehrenden Albträumen geplagt, die von schrecklichen Ereignissen in einem Hotel handeln, in denen eine mächtige Wildsau auftaucht und eine schmale, blasse Frau in einem roten Kleid eine undurchsichtige Rolle spielt.

"Schlaf" von Michael Venus
„Schlaf“ von Michael Venus. Foto: Salzgeber

Die Entdeckung, dass es dieses Hotel wirklich gibt – es heißt Sonnenhügel und liegt im Dorf Stainbach im Harz, umgeben vom dunklen deutschen Märchenwald -, wird Marlene zum Verhängnis: Kaum angekommen manifestiert sich ihre Nemesis, Marlene fällt in einen Stupor und landet im Krankenhaus, gelähmt, verkrampft und sprachlos. Nun ist es an Tochter Mona, das Rätsel zu lösen, das „Schlaf“ von Michael Venus enthält.

„Heimathorrorfilm“ nennt der Regisseur sein Debüt, das bei der diesjährigen Berlinale in der Sektion Perspektive Deutsches Kino seine Uraufführung feierte, und trifft damit recht genau dessen spezifische Qualität. Gemeint ist keine Mischung aus Horrorfilm und Heimatfilm, sondern ein Film, der den Horror in der Heimat findet.

Unheimliche Heimat: „Schlaf“ mit Sandra Hüller

Wobei der Begriff „Heimat“ in seinem gesamten widersprüchlichen Bedeutungsreichtum gefasst ist: Als Ort der familiären Wurzeln und der Herkunft repräsentiert er einen sicheren Rückzugsraum, ein von Vertrauen und Liebe geprägtes Innen; als Kampfbegriff der Blut-und-Boden-Ideologie und des Rassenwahns hingegen wohnt ihm die Aggression der Abgrenzung gegen das Fremde und das Draußen inne.

Und während „Schlaf“ Schicht um Schicht ein Familiengeheimnis offenlegt, das erklärt, warum sogar der eigene Körper den Frauen keine Sicherheit mehr bietet, bohrt er zugleich tief im Sumpf des Provinziellen und fördert traditionell wenig zimperliche Methoden der Verdrängung zutage.

Es ist eine anspruchsvolle Idee, die dieser gruseligen Geschichte zugrundeliegt, und Venus setzt sie angemessen und sicher in Szene; das Ergebnis ist tatsächlich ebenso sehr zum Fürchten, wie es grübeln macht. Alexandra Seitz

D 2020; 102 Min.; R: Michael Venus; D: Sandra Hüller, Gro Swantje Kohlhof, Marion Kracht; Kinostart: 29. 10. 2020

Außerdem diese Woche neu im Kino (und zwar wohl nur bis Sonntag): die Filmstarts vom 29. Oktober; weiterhin im Kino, zum Teil wohl letzte Gelegenheit: die Filmstarts vom 22. Oktober und die Filmstarts vom 15. Oktober

Mehr über Cookies erfahren