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Filmkritik

„Schwesterlein“ mit Nina Hoss und Lars Eidinger: Eine intime Beziehung

Drama Lisa und Sven sind Zwillinge. Das alleine verbindet ja schon. Beide haben auch irgendwann ihre Liebe fürs Theater entdeckt. Doch während Lisa ihrer Familie zuliebe ihre Karriere als sehr erfolgreiche Bühnenautorin aufgegeben hat und in die Schweiz gezogen ist, ist Sven als Schauspieler der Star der Berliner Schaubühne geworden. Ein Berserker auf der Bühne, der immer alles gibt und noch mehr. Das ist die Ausgangslage in „Schwesterlein“ mit Nina Hoss und Lars Eidinger.

Lars Eidinger in "Schwesterlein" von Stéphanie Chuat & Véronique Reymond. Foto: Weltkino
Lars Eidinger in „Schwesterlein“ von Stéphanie Chuat & Véronique Reymond. Foto: Weltkino

Bei Berserker und Schaubühne fällt dem Theaterkenner sofort dieser Name ein: Lars Eidinger. Mit seinem Hamlet und seinem Richard III. hat er Maßstäbe gesetzt. Er spielt hier nun den Sven. Doch es gibt noch mehr offensichtliche, durchaus reizvolle Parallelen zur Realität: Auch Nina Hoss, die Lisa spielt, hat auf den die Welt bedeutenden Brettern größte Theatererfolge gefeiert (allerdings mehr am Deutschen Theater); und niemand geringerer als Intendant Thomas Ostermeier gibt hier nun einen Schaubühnen-Regisseur, der um seinen Star bangt.

„Schwesterlein“ mit Nina Hoss und Lars Eidinger ist ein Fest der Schauspielerei

Denn Sven ist schwer an Leukämie erkrankt, will aber nicht akzeptieren, dass ein weiteres Auftreten nur schwer möglich ist. Schließlich bedeutet Spielen für ihn Leben. Lisa unterstützt ihn bei seinen Bemühen, stellt ihm sogar ein von ihr neu geschriebenes Stück in Aussicht. Selbst als ihre Ehe mit Martin (der dänische Star Jens Albinus) immer heftiger kriselt, sorgt sich Lisa nur um ihren Bruder.

Wie bei dieser Besetzung zu erwarten ist „Schwesterlein“, (bei den Preisen leer ausgegangener) Wettbewerbsbeitrag der diesjährigen Berlinale, zuallererst ein Fest der Schauspielerei: Es ist eine Wucht, Nina Hoss und Lars Eidinger erstmals gemeinsam in einem Film zu sehen. Sie stürzen sich mit Verve in ihre Rollen, zeigen deren vielschichtige Zerbrechlichkeit und wie sich der eine Zwilling im anderen von den Sehnsüchten bis zur Verletzlichkeit spiegelt, das so vertraute Gegenüber als Projektionsfläche (be-)nutzt.

Das ist intensiv, durchaus schmerzhaft und mitreißend. Was die sinnliche Erfahrung bei diesem unterkühlten Drama allerdings schmälert, ist die doch ziemlich betuliche Inszenierung der beiden Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, die auf jede filmische Akzentuierung der Konflikte verzichten. Beide sind übrigens Schauspielerinnen.

CH 2020; 99 Min.; R: Stéphanie Chuat & Véronique Reymond: D: Nina Hoss, Lars Eidinger, Marthe Keller; Kinostart: 29.10. 2020


Außerdem diese Woche neu im Kino: die Filmstarts vom 29. Oktober; bis auf Weiteres wohl vorerst die letzte Gelegenheit, sich am Wochenende noch schnell etwas im Kino anzusehen: die Filmstarts vom 22. Oktober und die Filmstarts vom 15. Oktober

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