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Ildikó Enyedis „Silent Friend“: Ein Baum des verbundenen Lebens

Text: tipBerlin Filmredaktion
Veröffentlicht am: 14.01.2026
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Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi wurde für ihrem Film „Körper und Seele“ 2017 mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet. Auch in ihrem neuen Film „Silent Friend“ fängt sie die ungewöhnlichen Beziehungen zwischen Mensch und Natur mit atmosphärischen Bildern ein. Ein Hingucker, findet tipBerlin-Kritiker Michael Meyns

Tony Leung Chiu-Wai und der beeindruckende Gingko biloba in Marburg – der Baum spielt die eigentliche Hauptrolle in „Silent Friend“. Foto: Pandora Film; Studiocanal GmbH

Hauptdarsteller in „Silent Friend“, dem neuen Film der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi, sind unter anderem die Französin Léa Seydoux, die Deutsche Luna Wedler und der Hongkong-Chinese Tony Leung Chiu-Wai. Das zumindest sind die menschlichen Hauptfiguren, denn eigentlich ist ein Baum das Zentrum einer mäandernden, sich durch die Zeiten bewegenden Geschichte, ein mächtiger Gingko biloba, der in Marburg steht und wirkt, als wäre er schon immer dagewesen.

„Silent Friend“ erzählt von drei Begegnungen in unterschiedlichen Zeiten

In drei Zeitebenen entwickelt sich ein Geschehen, das weniger einem Ziel zustrebt, als lose und suchend den Gingko-Baum zu umkreisen. In der Gegenwart, genauer gesagt im Corona-Jahr 2020, kommt ein Neurowissenschaftler (Tony Leung Chiu-Wai) aus Hongkong nach Marburg, um zu forschen. Durch die Pandemie bleibt er fast alleine auf dem Universitätsgelände zurück, und entdeckt den Gingko als Subjekt seiner Überlegungen über Bewusstseinsströme und Wahrnehmung.

Gut 50 Jahre zuvor, Anfang der 1970er-Jahre, erlebt ein junger Student (Enzo Brumm) in der Nähe des Baums eine Art Epiphanie: Eine Erleuchtung, ausgelöst durch eine intensive Begegnung mit einer Geranie, der er Rilkes Duineser Elegien vorliest, und schließlich sogar beibringt, die Gartenpforte per rudimentärer Fernbedienung zu öffnen.

Schließlich das frühe 20. Jahrhundert, als zum ersten Mal eine Studentin (Luna Wedler) an der Universität Marburg zugelassen wird, von Professoren und männlichen Mitstudenten argwöhnisch beobachtet. Grete, so heißt die junge Frau, entdeckt bald die Fotographie, versucht sich an visuellen Experimenten und beginnt nicht nur die Pflanzenwelt mit neuen Augen zu sehen.

Mein Freund, der Baum, könnte man mit der Schlagersängerin Alexandra dazu sagen, doch so seicht esoterisch geht es in Ildikó Enyedis „Silent Friend“ in keinster Weise zu. Ähnlich wie in ihrem vorletzten Film „Körper und Seele“, für den sie 2017 mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet wurde, gelingt es Enyedi auch hier, ungewöhnliche Beziehungen zwischen Mensch und Natur zu evozieren, vor allem dann, wenn sie sich auf die Bilder verlässt. Driften gerade die etwas holprigen deutschen Dialoge oft ein wenig ins allzu direkt Erklärende ab, sind es die von Gergely Pálos eingefangenen Bilder, die „Silent Friend“ seine besondere Atmosphäre verleihen. Je nach Zeitebene mal in scharfem Digital, dann im körnigen, farbgesättigten 16mm, und schließlich in Schwarzweiß gedreht, deuten sie eine mysteriöse, gerade magische Verbindung zwischen den Lebewesen dieses Planeten an.


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