In „The Mastermind“ spielt Josh O’Connor, der sein Faible für Ganovenrollen zuletzt schon in Alice Rohrwachers „La Chimera“ unter Beweis gestellt hat, einen Kunsträuber. tipBerlin-Kritikerin Pamela Jahn hat Kelly Reichardts ungewöhnlich menschliches Krimi-Drama gesehen.

James (Josh O’Connor) mag ein seltsamer Kauz sein, der für seine beiden Söhne kleine Artefakte aus dem örtlichen Museum mitgehen lässt. Aber ein abgebrühter Kunsträuber? Was soll’s, der arbeitslose Familienvater braucht das Geld – und den Kick.
Im Massachusetts der 1970er Jahre ist die Jobsituation prekär, vor allem für so eitle und vom kleinbürgerlichen Alltag unterforderte Typen wie ihn. Früher hat der Richter-Sohn an der Kunsthochschule studiert; am Ende hat es nur bis zum Zimmermann gereicht. Kaum ist der Heist geplant, ziehen James und seine Komplizen die Sache durch. Den nötigen Vorschuss, um Flucht und Handlanger zu finanzieren, hat er sich von seiner gutmütigen Mutter Sarah (Hope Davis) geliehen, während seine Frau Terri (Alana Haim) ihm unwissentlich die Baumwolltücher für den Transport der Meisterwerke zusammennäht.
Josh O’Connor versprüht in „The Mastermind“ schmuddelig-schlauen Charme
Alles scheint nach Plan zu laufen, bis am Morgen des Überfalls die Schule geschlossen bleibt und James sich nicht nur um seine Jungs kümmern, sondern unerwartet den Fluchtwagen fahren muss. Bald kommt ihm die Polizei auf die Schliche, und Kelly Reichardts ungewöhnlich menschliches Krimi-Drama nimmt gemächlich seine eigenwillige Fahrt auf.
Josh O’Connor versprüht als überforderter Dieb einen schmuddelig-schlauen Charme. Seine Darstellung harmoniert mit Reichardts typisch unglamouröser Bildsprache. Dazu passt auch Rob Mazureks treibender ironisch-jazziger Score, der für Spannung sorgt, wo sich in Wirklichkeit das einfache Leben abspielt.
- The Mastermind USA 2025; 110 Min.; R: Kelly Reichardt; D: Josh O’Connor, Alana Haim, Hope Davis; Kinostart: 16.10.
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