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„Therapie für Wikinger“: Mads Mikkelsen hält sich für John Lennon

Anders Thomas Jensen ist der erfolgreichste Drehbuchautor Dänemarks und lädt uns in seinem neuesten Film „Therapie für Wikinger“ erneut dazu ein, mit schrägen Gestalten eine verrückte Reise zu unternehmen. tipBerlin-Kritiker Martin Schwarz findet, jede gute Komödie hat ihre Wurzeln im Tragischen.

Manfred, gespielt von Mads Mikkelsen, wird in „Therapie für Wikinger“ Teil der wiedervereinigten Möchtegern-Beatles. Foto: Splendid Film

Was ist normal? Und wer entscheidet darüber, was normal ist? Und wenn alle unnormal sind, ist dann das Unnormale normal und das Normale unnormal? Solche oder ähnliche Gedanken macht sich Anders Thomas Jensen wohl schon länger.

Jensen ist der erfolgreichste Drehbuchautor Dänemarks, hat die Vorlagen zu internationalen Erfolgsfilmen wie „In einer besseren Welt“, „Love Is All You Need“ und „King’s Land“ geliefert. Doch besonders in jenen Filmen, in denen der 53-Jährige auch die Regie übernahm, hat er die Grenzen der Normalität ausgelotet, so in dem Meisterwerk „Adams Äpfel“, in „Men & Chicken“ – hier sogar in Bezug auf Tiere –, und zuletzt in „Helden der Wahrscheinlichkeit“.

Und wieder lädt er uns in „Therapie für Wikinger“ dazu ein, mit schrägen Gestalten eine verrückte Reise zu unternehmen. Nach 15 Jahren Knast ist Anker (Nikolaj Lie Kaas) wieder in Freiheit und sucht umgehend seinen Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) auf. Denn nur der weiß, wo die Beute aus dem Überfall vergraben ist. Doch Manfred war schon als Kind ziemlich besonders und hielt sich für einen Wikinger. Mittlerweile denkt der sensible Mann, er sei John Lennon, und springt schon mal aus einem fahrenden Auto, wenn ihn jemand Manfred nennt. An den Ort der Beute kann sich John Lennon offenbar nicht erinnern. Aber wie wird John wieder zu Manfred?

Die Beatles werden in „Therapie für Wikinger“ wiedervereint

Da hat der in psychischen Dingen bewanderte Lothar (Lars Brygmann) eine Idee: Er kenne da einen Insassen, der hält sich für Ringo Starr, und ein anderer abwechselnd für Paul McCartney und George Harrison. Man müsse also nur die Beatles wiedervereinigen, damit sich John in seiner Welt wohlfühlt und so wieder aus ihr herausfindet. Die Gruppe fährt also zum alten Elternhaus von Anker und Manfred, das mit üblen Kindheitserinnerungen verknüpft ist, und die Bandproben können beginnen. Währenddessen gräbt Anker im nahen Wald, und es nähert sich mit Flemming (Nicolas Bro) ein gewalttätiger Typ, der auch die Beute haben will.

Erneut führt uns Anders Thomas Jensen vor, was man bereit ist, als Zuschauer zu schlucken, wenn das Ganze in sich kohärent ist. Und so erleben wir einen durchgeknallten Trip, der trotz teils sehr böser Witze immer wieder eine erstaunliche Sensibilität aufweist und Themen wie Familie, Identität und Traumata mitschwingen lässt. Denn auch Jensen weiß: Jede gute Komödie hat ihre Wurzeln im Tragischen.

  • Therapie für Wikinger (Den sidste viking) Dänemark 2025; 116 Min.; R: Thomas Anders Jensen; D: Nicolai Lie Kaas, Mads Mikkelsen, Nicolas Bro; Kinostart: 25.12.

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