In Celine Songs Liebesdreicks-Film „Was ist Liebe wert – Materialists“ kann sich Dakota Johnson nicht zwischen Pedro Pascal – reich und schön – und Chris Evans – arm und schön – entscheiden. Die RomCom erinnert an Songs gefeiertes Regiedebüt „Past Lives“, nur diesmal mit Starbesetzung und in Hollywoodglanz, findet tipBerlin-Filmkritikerin Pamela Jahn.

In „Was ist Liebe wert – Materialists“ verkuppelt Dakota Johnson hauptberuflich Paare
Die Koordinaten müssen stimmen: Job, Gehalt, Alter, Größe. Ein besonderes Plus: volles Haar. Doch am Ende ist auch die Liebe nur eine Frage der Mathematik. Wenn man, wie Lucy Mason (Dakota Johnson) außerdem gute Intuition hat, wird Dating zum Kinderspiel. Etliche Paare hat die New Yorker Matchmakerin bereits verkuppelt. Das Geschäft läuft. Nur privat hält Lucy an ihrem Singledasein fest.
Dann kommt es doch anders: Erst lässt ein unverhofftes Wiedersehen mit ihrem Ex alte Gefühle wieder aufflammen. Dabei weiß Lucy, dass John (Chris Evans), ein aus Not kellnernder Schauspieler, rein „rechnerisch“ nach wie vor nicht ihren Vorstellungen vom perfekten Partner entspricht. Bessere Chancen hat Harry (Pedro Pascal – aktuell auch in „The Fantastic Four“ zu sehen), ein Finanzprofi mit einer Private-Equity-Firma. Er ist der Bruder eines Bräutigams, den Lucy soeben vermittelt hat. Jetzt will sie Harry als Kunden gewinnen; er bittet sie um eine Verabredung.

Lucy willigt ein. Aus einem Abendessen werden zwei, drei, vier. Harry erweist sich bei jedem Treffen als eloquent, stilvoll, charmant und großzügig. Die Romanze ist vorprogrammiert. Zwar bleibt Lucy auch mit John in Kontakt, aber nur freundschaftlich – als sie bei der Arbeit in eine Krise gerät, vertraut sie sich lieber dem Mann an, der sie noch immer am besten kennt. Eine Entscheidung, mit der die Komplexität dieser elegant vertrackten Dreiecksbeziehung deutlich wird.
„Materialists“ ähnelt Celine Songs Regiedebüt „Past Lives“
Mit Hinblick auf die Figurenkonstellation ähnelt Celine Songs romantische Komödie „Was ist Liebe wert – Materialists“ der in „Past Lives“ (2023). Inspiriert von ihren eigenen Erfahrungen als Einwanderin, erzählte die südkoreanisch-kanadische Regisseurin in ihrem Spielfilmdebüt von einer Sandkastenliebe in ihrer asiatischen Heimat, die Jahrzehnte später zu einem Wiedersehen in New York führt. In beiden Filmen werden Gefühle ernsthaft gelebt – und verletzt. Nur diesmal nicht mehr in Form eines kleinen Indie-Dramas, sondern mit Starbesetzung und auf Hollywood-Hochglanz poliert.
Der entscheidende Unterschied ist: In „Was ist Liebe wert“ wird die Liebe zur reinen Transaktion. Allein, wer den eigenen Wert kennt und sich richtig verkaufen kann, gewinnt. Bemerkenswert ist dabei, wie präzise und feinsinnig die Regisseurin mit den Widersprüchen des klassischen Rom-Com-Genres und Lucys persönlichen Ansprüchen umgeht. Dakota Johnson spielt die Partnervermittlerin als eine kluge, moderne, begehrende Frau – die in einem Metier arbeitet, das Frauen weiterhin unterbewertet und degradiert. Es ist ihre innere Zerrissenheit, die der romantischen Komödie das nötige Gewicht und wahren Charme verleihen
- Was ist Liebe wert – Materialists USA 2025; 109 Min.; R: Celine Song; D: Dakota Johnson, Chris Evans, Pedro Pascal; Kinostart: 21.8.
Sie konnten es nicht lassen: Wie schlimm ist die „Manitu“-Fortsetzung „Das Kanu des Manitu geworden“? Auch dieser Klassiker wurde neu verfilmt: „Die nackte Kanone“ mit Liam Neeson in der Kritik. Mit „The Fantastic Four: First Steps“ ist die zweite Neuverfilmung geglückt. „#SchwarzeSchafe“ folgt auf den Berliner Kult-Film. In „Superman“ wird eine beliebte Geschichte neu erzählt. „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ und „M3GAN 2.0.“ sind ebenfalls gelungene Fortsetzungen. Ein berührender Film über Trauern mit Tier: Der Star in „Loyal Friend“ ist ein Hund. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Unter freiem Himmel: Was in den Freiluftkinos in Berlin läuft, seht ihr hier. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.

