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Neu im Kino

Die Filmstarts vom 1. Juli: Von „Nomadland“ bis „Godzilla vs. Kong“

In dieser Woche geht es nun wirklich wieder los: Bundesweit starten eine Reihe von starken Titeln, das Kino nähert sich in großen Schritten einem Normalbetrieb. Das sind die Filmstarts vom 1. Juli: Der Oscar-Gewinner „Nomadland“ von Chloe Zhao dominiert die Arthouse-Leinwände, hat aber starke Konkurrenz durch „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader. In den Multiplexen schlägt vor allem „Godzilla vs. Kong“ auf. Der tip empfiehlt zudem den klugen Science-Fiction-Film „The Trouble with Being Born“ von Sandra Wollner und die Politdoku „Courage“ über die Demokratiebewegung in Belarus.


Wieder einmal großartig: Frances McDormand in „Nomadland“ von Chloe Zhao

„Nomadland“ von Chloe Zhao. Bild: 20th Century Fox

DRAMA „Ich bin nicht obdachlos, ich bin nur Haus-los. Das ist nicht dasselbe“, versucht Fern einem Mädchen zu erklären, dem sie früher einmal Nachhilfe gegeben hat. Damals hatte sie noch ein „normales“ Leben – ehe die Minen eines Gipsunternehmens schlossen und Empire, Nevada zu einer Geisterstadt wurde. Ehe Ferns Mann verstarb. Irgendwann hat die Frühsechzigerin dann ein paar Sachen in einen Van gepackt, der nun ihr Heim ist.

Fern fährt der Gelegenheitsarbeit nach, eine ganze Infrastruktur hat sich auf die Wanderarbeiter eingerichtet: Weihnachtsgeschäft bei Amazon, Putzen auf dem Campingplatz, Hamburgerbraten im Schnellrestaurant. Dabei trifft sie auf eine Gemeinschaft von Menschen mit völlig unterschiedlichen Motivationen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Man hilft sich gegenseitig, gibt sich praktische Tipps, passt aufeinander auf.

Das Bild, das Regisseurin Chloé Zhao mit der fantastischen Frances McDormand als Fern (und vielen authentischen „Nomaden“ in den anderen Rollen) von diesem Leben zeichnet, ist kein wütendes oder überhaupt gesteigert dramatisches von Verlierern des neoliberalen Turbokapitalismus – obwohl das durchaus auch anklingt. Vielmehr driften die Figuren mit ihren individuellen Lebensgeschichten melancholisch durch die endlosen Cinemascope-Weiten des amerikanischen Westens – allein, aber eben doch nicht wirklich allein.

„Es gibt kein endgültiges Auf Wiedersehen“, sagt einmal jemand. Man trifft sich immer wieder. Irgendwann ist das andere Leben, das an einem Ort und mit festem Dach über dem Kopf, gar keine Option mehr. Jedenfalls nicht für Fern. Lars Penning

USA 2020, 107 Min., R: Chloé Zhao, D: Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Start 1.7.


Charme mit Tiefgang: Maren Eggert glänzt in „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader

„Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader. Bild: Letterbox Film

KOMÖDIE Als Leiterin einer Forschungsgruppe zum Thema Keilschrift arbeitet Alma am Pergamon-Museum. Eigentlich ist sie ganz zufrieden mit Leben und Arbeit, aber Wissenschaft kostet Geld, und weil das ihrem Institut ein erkleckliches Sümmchen einbringt, lässt sich Alma notgedrungen auf ein Experiment ein. Drei Wochen lang soll sie mit Tom zusammenleben, einem humanoiden Roboter, der einzig und allein darauf programmiert ist, ihr der perfekte Lebenspartner zu sein; sein gänzlich Sinn und Streben: Alma glücklich machen.

Alma jedoch ist ein eher nüchternes Naturell, mitunter kann sie auch recht sarkastisch sein, und was macht frau nun also mit einem Traummann, wenn sie an den Märchenprinzen nicht glaubt? Sie steckt ihn erstmal in die Besenkammer. Da aber Tom ausnehmend ansehnlich geraten ist und zudem ziemlich treuherzig kucken kann, bleibt er dort nicht lange.

Auf den ersten Blick ist Maria Schraders „Ich bin Dein Mensch“ das, was man gern „eine mit leichter Hand inszenierte Sommerkomödie“ heißt. Auf den zweiten hat der Film dann aber doch mehr Tiefgang, denn aus Toms Charmeoffensive und Almas kräftiger Gegenwehr entwickelt sich eine Liebeskomödie wohltuend ruppiger Gangart, die aufrichtig mit dem Romantischen hadert.

Die analytische Emotionalität der auf Wunscherfüllung geeichten Maschine trifft dabei auf menschliche Rationalisierung des Gefühls, geboren aus enttäuschenden Erfahrungen. Dazwischen erstreckt sich ein Raum voller Untiefen und Möglichkeiten, in dem die Prüfungen der Liebe in Nachdenken und Ehrlichkeit bestehen.

Für ihre vielfach hin-und-her-gerissene Alma erhielt Maren Eggert den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle und Dan Stevens, in der Rolle des Robotermanns hinreichend entrückt und glaubwürdig genug involviert, macht’s möglich.

Zu beobachten, wie die beiden in ihren Figuren die Verästelungen des Themas ausloten und am Ende vor der profunden Frage nach der Wahrheit des Gefühls landen, macht ebenso große Freude wie schließlich festzustellen, dass man gemeinsam mit ihnen an zumindest diese eine Wahrheit glaubt. Das ausführliche tip-Interview mit Regisseurin Maria Schrader findet ihr hier Alexandra Seitz

Ich bin dein Mensch D 2021, 104 Min., R: Maria Schrader, D: Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Start: 1.7.


Was denkt ein Roboter? Darüber denkt „The Trouble with Being Born“ von Sandra Wollner nach

„The Trouble With Being Born“ von Sandra Wollner. Bild: Panama Film

SCIENCE-FICTION In einem einsamen Haus lebt Georg mit seiner Tochter Ellie. Sie hängen gemeinsam am Pool ab, manchmal stellt Ellie eine Frage, als wäre sie nicht ganz sicher, ob sie sich an alles richtig erinnert. Doch in Wirklichkeit erinnert sie sich überhaupt nicht. Denn Ellie ist eine Maschine, ein menschenähnlicher Roboter, ein Ersatz für ein Lebewesen, das es einmal gegeben haben mag. Und Ellie ist auch ein Sexspielzeug für Georg, der wie mit einer Puppe seinen inzestuösen Neigungen nachgeht.

Die Pointe an dieser Geschichte, wie sie der Film „The Trouble with Being Born“ erzählt, besteht darin, dass sie aus der Perspektive von Ellie erzählt wird. Sandra Wollner beschäftigt sich mit einem klassischen Topos der neueren Science-Fiction: wann wird künstliche Intelligenz so intelligent, dass sie einem menschlichen Bewusstsein zu ähneln beginnt? Wann fängt eine Maschine an, zu denken, zu fühlen, und mehr zu lernen, als es ihr Programm vorsieht?

Wollner bringt uns wie von selbst dazu, diese Fragen zu stellen. Denn Ellie wirkt zuerst einmal sehr natürlich. Man muss vor allem auf die Tonspur achten, um zu ahnen, dass irgendetwas vielleicht nicht ganz alltäglich ist. Denn da rauscht etwas, es knackst wie in einer Leitung. Der Ton ist eine der vielen Qualitäten von „The Trouble with Being Born“, der im Februar 2020 in der damals neuen Reihe Encounters bei der Berlinale Premiere hatte, und sofort als außergewöhnliches Filmkunstwerk auffiel. Inzwischen gab es allerdings auch Kontroversen: Bei einem Festival in Australien wurde der Vorwurf erhoben, Pädophile könnten sich durch die Figur der Ellie sexuell stimuliert fühlen. Die kühne Fiktion des Films besteht aber gerade auch darin, dass Ellie immer das ist, wozu jemand sie gerade zu machen versucht.

Sandra Wollner ist gebürtige Österreicherin, sie hat in Ludwigsburg studiert, und lebt inzwischen in Berlin. Ihr erster Film „Das unmögliche Bild“ war ein spannendes Spiel mit Home Movies und trügerischen Erinnerungen. Nun bringt sie ihr eigentliches Thema, die Abgründe der Subjektivität, mit einem höchst spannenden Erzählexperiment in die Gegenwart. Bert Rebhandl

D/Ö 2020; 94 Min.; R: Sandra Wollner; D: Lena Watson, Dominik Warta, Ingrid Burkhard; Kinostart: 1.7.


Judas and the Black Messiah

„Judas and the Black Messiah“. Bild: Warner Bros.

POLITDRAMA Ein schwarzer Autodieb lässt sich vom FBI anheuern, um Ende der 60er-Jahre Fred Hampton zu bespitzeln, den Anführer der revolutionären Black Panther Party in Illinois. Die Geschichte endet mit der Ermordung Hamptons durch die Polizei von Chicago. Kraftvolles Drama nach authentischen Ereignissen um einen charismatischen Bürgerrechtler. Lars Penning

USA 2021, 126 Min, R: Shaka King, D: Daniel Kaluuya, LaKeith Stanfield, Dominique Fishback, Start: 1.7.


Courage

„Courage“ von Aliaksei Paluyan. Bild: Rise and Shine Cinema

Maryna, Denis und Pavel sind Schauspieler beim Belarus Free Theatre. Sie sind Teil der großen Demokratiebewegung in Belarus, von der der Dokumentarfilm „Courage“ in beeindruckenden Bildern erzählt: Massenproteste und intime Momente zeugen vom Widerstand gegen ein autoritäres, postsowjetisches System. Bert Rebhandl

D 2021; 90 Min.; R: Aliaksei Paluyan; Kinostart: 1.7.


Godzilla vs. Kong

„Godzilla vs. Kong“ von Adam Wingard. Bild: Warner Bros.

ACTION Das Monsterverse der amerikanischen Firma Legendary lässt seit 2014 diverse historisch schon bewährte Ungeheuer aufeinander los. Nun trifft der Riesenaffe Kong auf die Titanenechse Godzilla. Das wird mit einer hanebüchenen Hohlerdetheorie und einem guten Schuss Techno-Hybris typisch B-movie-mäßig erzählt, kann aber durch wuchtige Action und detailfreudige Animation durchaus unterhalten. Bert Rebhandl

USA 2021; 113 Min.; R: Adam Wingard; D: Millie Bobby Brown, Alexander Skarsgard, Rebecca Hall; Kinostart: 1.7.


Vor mir der Süden

„Vor mir der Süden“ von Pepe Danquart. Bild: Neue Visionen

DOKUMENTARFILM Italien ist nicht schön. Der Blick von einem paradiesischen Sandstrand richtet sich meist auf einen Gewerbepark, und wer nach Süden will, in die Heimat der Götter, muss durch eine Verkehrshölle. Und doch hat das Land am Mittelmeer immer noch ein Geheimnis: Eine Idee von einem Leben, wie es einmal gewesen sein mag, eine Idee von einer Kultur, die aus dem Volk kommt.

Pepe Danquart ist für seinen Dokumentarfilm „Vor mir der Süden“ einmal durch Italien gefahren, immer die Küste entlang, von Jesolo über Ostia weiter bis nach Sizilien. Er begab sich dabei auf die Spuren von Pier Paolo Pasolini, dem großen italienischen Intellektuellen, der 1959 auch schon so eine Fahrt unternommen hatte, in einem Fiat Millecento. Danquart kommt zu keiner großen These über Italien oder den Süden. Er sammelt einfach Impressionen von unterwegs ein, hört Menschen zu, die ihm ein wenig erzählen, und interessiert sich dabei immer auch dafür, wie man sich in Italien heute an Pasolini erinnert. Er bekommt auf diese Weise einen Horizont für die heutigen Gegebenheiten, denn so viel hat sich gar nicht verändert in dem langgestreckten Land, das Deutschland mit Afrika verbindet. Bert Rebhandl

D 2020; 117 Min.; R: Pepe Danquart; Kinostart: 1.7.

Weiterhin im Kino: die Filmstarts vom 24. Juni; eine Übersicht über das Angebot der Freiluftkinos finden Sie hier


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