Künstlerdrama

„Final Portrait“ im Kino

Stanley Tuccis kammerspielartiges Biopic über den Künstler Alberto Giacometti

Foto: Prokino

In einer verzwickten Situation findet sich der US-Kunstkritiker James Lord (Armie Hammer) wieder, als er 1964 die Einladung des berühmten Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) annimmt, ihm in seinem Pariser Atelier für ein Bild Modell zu sitzen. Ein paar Stunden an einem Nachmittag werde das dauern, hat Giacometti ihm versichert – tatsächlich nehmen die Sitzungen rund drei Wochen in Anspruch, ehe Lord dem Künstler das immer wieder neu begonnene Bild mit sanfter Gewalt abringen kann.

Ist der kreative Prozess also eigentlich nie ­beendet? Geoffrey Rush porträtiert den chao­tischen, kettenrauchenden Giacometti in Stanley Tuccis Regiearbeit als Mann mit zwei Seiten: Der private Giacometti ist sympathisch, flamboyant und amüsant, jemand, der gern trinkt und lacht und mit absurdem Witz seine Verachtung für das viele Geld zeigt, das er verdient. Als Künstler ist er jedoch stets von Selbstzweifeln geplagt. Der Film, dessen zentrale Szenen im Atelier spielen, weiß die Ernsthaftigkeit des künstlerischen Ringens durchaus zu verdeutlichen: Oft zeigt die Kamera den genauen, durchdringenden Blick des Malers, dem selbst kleinste Veränderungen nicht entgehen.
Den kreativen Prozess, der letztlich im Kopf stattfindet, kann auch „Final Portrait“ nicht darstellen, doch indem sich Tucci in seinem fast kammerspielartigen Biopic auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des späten Giacometti beschränkt, erzählt er mehr und intensiver von den Fallen und Qualen künstlerischer Arbeit als es ein Galopp durch alle Entwicklungsphasen des Künstlers vermocht hätte.

Final Portrait GB 2017, 90 Min., R: Stanley Tucci, D: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Sylvie Testud, Start: 3.8.

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