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Berlinale 2017

„Final Portrait“ im Wettbewerb der Berlinale (außer Konkurrenz)

Wann ist die Arbeit an einem Kunstwerk beendet?

Foto: Prokino

Wer sich einmal Dokumentarfilme wie „Le mystère Picasso“ oder „Gerhard Richter Painting“ angesehen hat, die bedeutende Maler bei der Arbeit zeigen, weiß, dass die Ansichten des jeweiligen Kunstschaffenden und des außenstehenden Beobachters über diese Frage weit auseinander gehen können. Denn immer wenn man als Betrachter denkt, dass das Bild gerade seiner Vollendung entgegen strebt, beginnt der Künstler alles zu ändern und seinem Werk noch einmal eine neue Richtung zu geben. Theoretisch könnte sich dieser kreative Prozess ewig fortsetzen, insofern erscheint die Fertigstellung des Kunstwerks fast wie ein Willkürakt.

In einer solchen Situation findet sich auch der amerikanische Kunstkritiker James Lord (Armie Hammer) in Stanley Tuccis Regiearbeit „Final Portrait“ wieder, als er 1964 die Einladung des berühmten Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) annimmt, ihm in seinem Pariser Atelier für ein Bild Modell zu sitzen. Ein paar Stunden an einem Nachmittag werde das dauern, hat Giacometti ihm versichert – tatsächlich nehmen die Sitzungen schließlich rund drei Wochen in Anspruch, ehe Lord dem Künstler das zwischenzeitlich immer wieder neu begonnene Bild mit sanfter Gewalt abringen kann.

Dass der Journalist ständig seine geplanten Flüge in die Heimat umbuchen muss, wird zu einem Running Gag des Films, der einen unterhaltsamen Einblick in das chaotische Leben des späten Giacometti bietet, eines Mannes, der gern trinkt und lacht, mit absurdem Witz seine Verachtung für das viele Geld zeigt, das er verdient, und der auf verletzende Weise seine Frau seit Jahren mit einer Prostituierten betrügt, die ihm zugleich als Modell große Inspiration gibt. Als Künstler ist Giacometti jedoch stets von Selbstzweifeln geplagt, seine Kunst speist sich geradezu aus einem Zustand der Unsicherheit und des Unglücklichseins.

Geoffrey Rushs Porträt des kettenrauchenden, grantelnden Künstlers ist gleichermaßen sympathisch, flamboyant und amüsant, zugleich aber weiß der Film, dessen zentrale Szenen im Atelier spielen, auch die Ernsthaftigkeit des künstlerischen Ringens durchaus zu verdeutlichen, indem die Kamera den genauen, durchdringenden Blick des Malers wiedergibt, dem selbst kleinste Veränderungen nicht entgehen.

Den kreativen Prozess, der ja letztlich im Kopf stattfindet, kann auch „Final Portrait“ nicht wirklich darstellen, doch indem sich Tucci in seinem intimen, fast kammerspielartigen Biopic auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben Giacomettis beschränkt, erzählt er am Ende mehr und intensiver von den Fallen und Qualen künstlerischer Arbeit als es ein Galopp durch alle Entwicklungsphasen des Künstlers je vermocht hätten.

Final Portrait GB 2017,, 90 Min., R: Stanley Zucci, D: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Sylvie Testud

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