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"The First Avenger: Civil War" im Kino

"The First Avenger: Civil War" im Kino

Wenn Superhelden sich verkloppen, was passiert dann eigentlich mit den kollateralen Opfern? General "Thunderbolt" Ross (Martin "Hobbit" Freeman), den Superheldenfans noch aus dem "Hulk"-Film kennen und der inzwischen zum US-Minister aufgestiegen ist, hat darauf eine Antwort: "Ein Sieg auf Kosten Unschuldiger ist kein Sieg", sagt er und legt den Avengers einen Beschluss vor, der die Gruppe auf Eis legt, jedenfalls so lange es keine internationale Krise gibt. Tony "Iron Man" Stark (Robert Downey Jr.), gramzerfressen über die Schuld, die er mit der Erschaffung Ultrons auf sich geladen hat, beugt sich dem Militär. Doch sein alter Kumpel Captain America (Chris Evans) sieht das komplett anders: Für ihn darf eine Demokratie nicht wehrlos sein. Und dann ist ja auch die Affäre mit seinem alten Sidekick Bucky "Winter Soldier" Barnes (Sebastian Stan) noch immer ungelöst.
Mit "Civil War" startet das Kino-Universum des US-Marvel-Verlags – der inzwischen Disney gehört – in die dritte Phase. Und man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Gesamthandlung entwickeln wird. Es wird kosmisch werden, auch wenn dieser Film noch recht erdverbunden angetrabt kommt. "Es endet doch immer in einem Kampf", sagt Bucky, und natürlich hat er recht: Nach einer 90 Minuten langen Einleitung – Daniel Brühl als böser Helmut Zemo spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle – stehen die Fronten fest, mit Iron Man, War Machine, Black Widow, Vision, Spider-Man,  und Black Panther auf der einen Seite. Sie treten am Schkeuditzer Kreuz (wirklich!) gegen Cap, den Winter Soldier, Hawkeye, Ant-Man, Falcon und Scarlet Witch an.
Ein Cast, der so unübersichtlich wie das Ensemble eines indischen Musicals sein müsste, den aber die Brüder Russo, die hier wieder Regie führen, locker unter Kontrolle halten. Jeder Held bekommt seine eigene gute Szene. Etwas anders sieht es mit dem Schnitt des Films aus: Wenn etwa die deutsche Polizei eine Razzia in Bukarest durchführt – dort steht jetzt offensichtlich auch das komplette ICC – kratzt man sich als Berliner schon den Kopf. Das unter dem Paul-Löbe- und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ein internationales Hochsicherheitsgefängnis versteckt ist, war uns übrigens auch neu.
Die Comic-Vorlage, geschrieben vom schottischen Sozialisten Mark Millar, wird mächtig entpolitisiert und auf einen Konflikt unter Buddys reduziert. Was den Marvel-Film trotzdem über "Batman vs. Superman" erhebt, ist der Humor und das Augenzwinkern. Die beiden Neuzugänge Spider-Man und Black Panther machen richtig Lust auf mehr. Und Spideys Tante May, früher eine dürre alte Mumie, wird jetzt von der immer noch extrem heißen Marisa Tomei gespielt.

Text: Lutz Göllner

Foto: Disney

Orte und Zeiten: The First Avenger: Civil War

Captain America: Civil War USA 2016, 140 Min., R: Anthony und Joe Russo, D: Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Chadwick Boseman, Daniel Brühl

Kinostart:
Do, 28. April 2016

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