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„Five Minutes of Heaven“ im Kino

Am besten sind Filme von Oliver Hirschbiegel immer in den Gesprächssituationen, seine Dialoge und Monologe entwickeln oft eine sehr eigene Sogwirkung und Faszination. „Invasion“, Hirschbiegels murksiger Hollywood-Exkurs, scheiterte 2007 allerdings auch an schlimmen Texten. Bei „Five Minutes of Heaven“ ist er die Idealbesetzung für die Regie: Es gibt Konversationen und Selbstgespräche, teils eisig, teils manisch, oft verzweifelt. Das Thema ist Terror und Gewalt, oder genauer: was eine Bluttat aus Menschen macht, aus Tätern wie Hinterbliebenen.
Tatort ist die nordirische Kleinstadt Lurgan im Oktober 1975. Auf dem Höhepunkt der „Troubles“ stehlen protestantische Teenager ein Auto und fahren abends in einer katholischen Nachbarschaft vor einem Reihenhaus vor. Der 17-jährige Anführer Alistair Little erschießt durch das Fenster den jungen Jim Griffin. Später wird ein gealterter Little (Liam Neeson) erklären, die Zeiten seien damals schwer gewesen, er habe sich beweisen, ein Mann und ein Kämpfer sein wollen.
33 Jahre später hält Little das für einen Irrweg, nach Zuchthaus und viel Gegrübel ist er aktiv für eine Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken tätig. Jetzt sagt er: Wer Mitglied einer gewaltbereiten Gruppe wird, dessen Geist verschließt sich. Kluge Worte, für Joe Griffin (James Nesbitt), den kleinen Bruder des Ermordeten, kommen Littles Sinneswandel und Erkenntnisgewinn aber viel zu spät. Griffin hatte damals den Mord beobachtet, seine Mutter hat ihm seither nur Vorwürfe gemacht, er hätte die Tat ja verhindern können. Seit 1975 nagt das an ihm, jetzt soll er bei einem TV-Interview zum ersten Mal Little begegnen. Der Attentäter wirkt kühl und aufgeräumt, Griffin scheint nervlich am Ende. Doch der Schein trügt, beide Männer sind zerfressen und kaputt. Griffin bringt zum Fernsehtermin ein langes Messer mit, er will jetzt seine „fünf Minuten des Himmels.“ Regisseur Hirschbiegel beweist bei dem Kammerspiel überraschendes Fingerspitzengefühl. Zwei bemerkenswerte Schauspieler beim Reden, das ist selten so packend inszeniert wie hier.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung: Sehenswert

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Five Minutes of Heaven, Großbritannien 2009; Regie: Oliver Hirschbiegel; Darsteller: Liam Neeson (Alistair Little), James Nesbitt (Joe Griffin), Anamaria Marinca (Vika); 90 Minuten

Kinostart: 17. Juni

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