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FKA Twigs im Kesselhaus

FKA Twigs

Angefangen hat es für sie nicht mit Musik. Ihre ersten öffentlichen Auftritte hatte Tahliah Barnett als Tänzerin in Pop-Videos. Wenn man richtig hinguckt, entdeckt man sie in den Clips zu „Do It Like a Dude“ und „Price Tag“ von Jessie J. Darauf ist sie indes nicht besonders stolz. „Es ist schwierig, wenn man auf Knopfdruck eine Rolle nach dem Wunsch einer anderen Person spielen muss. Außerdem lassen die Arbeitsbedingungen manchmal sehr zu wünschen übrig. In einem Fall mussten wir mitten im Winter den ganzen Tag lang in einem nicht beheizten Kellergewölbe einer Kirche mit sehr dünner Kleidung ausharren“, erinnert sich Barnett. Von diesen anstrengenden Zeiten singt sie jetzt im Song „Video Girl“. Es geht darum, wie sie tagsüber schuftete und sich abends an den Computer setzte und ihre ersten Stücke schrieb, die sie mittlerweile unter dem Namen FKA Twigs veröffentlicht hat. Sonst hält sich Barnett zurück, was Berichte aus dem persönlichen Leben angeht. Sie bevorzugt dann doch mehr das Mittel der Andeutung, auch in musikalischer Hinsicht. Die Sängerin nimmt dem Soul die wuchtige Urkraft und interpretiert das Genre lieber auf zerbrechliche, ätherische oder minimale Weise. Wechselnde Produzenten sorgen für zurückhaltende Beats, die vorsichtig durch wabernde, zuckende oder ratternde Klänge ergänzt werden. Auf dieser Grundlage hat Barnett Gelegenheit, sich wie eine Zauberfee auszubreiten. Dieses Konzept zieht sie konsequent durch. Auf ihrem ersten Album mit dem simplen Namen „LP1“ entdeckt man keine reißerischen Momente. Es ist eine bewusste Entscheidung, wie sie betont: „Als ich zum ersten Mal mit aktueller Popmusik in Berührung kam, waren Britney Spears oder Christina Aguilera schon da. Sie müssen 16 oder 17 gewesen sein. Ich bin jetzt zehn Jahre älter und habe ihnen gegenüber den Vorteil, dass ich wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Ich weiß, dass Schnellschüsse nicht immer zum Treffer führen.“

Text: Thomas Weiland

FKA Twigs, Kesselhaus, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Di 21.10., 21 Uhr, VVK: 22 Euro zzgl Gebühr

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