Kino & Stream

"Flachbildwunder" von Bert Rebhandl

"Flachbildwunder" von Bert Rebhandl
Diese Woche habe ich ein neues Wort gelernt. Das, was ich mir da so häufig anschaue, nennt man in der schönen neuen Welt der digitalen Zukunft "flatties". Also "Flachis". Bisher sagten wir "Filme" dazu, aber das ist schon seit der 3D-Kampagne der Industrie (von einem Boom zu sprechen, wäre verfehlt) nur mehr ein veraltetes Wort für eine zweidimensionale Erfahrung, bei der dem Hirn (und den anderen intellektuellen Instanzen, also so etwas wie Herz und Bauch) die Aufgabe zukam, all das zu ergänzen, was jetzt für uns ausgerechnet wird. Für Menschen, die am virtuellen Filmerlebnis der Zukunft arbeiten, sind "flatties" ein Auslauf­modell, stattdessen werden wir demnächst "Erfahrungen" haben. Denn das ist der Gegenbegriff zu Film: "experience".
Auch ein Blinder würde merken, dass diese Unterscheidung ein wenig tendenziös ist. Sie unterschlägt all das, was im Kino schon bisher eine Erfahrung war, also alles. Es ist aufregend, in einem Medienwechsel zu leben, der atemlos das Erlebnis von heute am liebsten schon gestern für vorgestrig erklärt hätte. Wer sich da ein wenig Ruhe verordnen möchte, dem empfehle ich als Mantra das Wort "Flachbildschirm". Das war doch gerade noch irgendwie das heiße Ding. Inzwischen aber beame auch ich schon eine Weile. Ich bin jederzeit bereit für eine Erfahrung, auch mit Datenbrille. Aber die Welt der flachen Bilder lasse ich mir nicht ausreden. Sie ist nämlich voller Wunder.

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