Roadmovie 

Flucht nach Europa: „Roads“ im Kino

Das chronologisch an Originalschauplätzen gedrehte Drama von Sebastian Schipper („Victoria“) schildert die Erlebnisse zweier ungleicher Teenager auf ihrer abenteuerlichen Reise durch Nordafrika und Europa

Gyllen (Fionn Whitehead) und William (Stéphane Bak), Foto: Studiocanal/ Eniac Martinez

2015 mischte der Berliner Schauspieler und Filmemacher Sebastian Schipper das nicht nur nationale Kino mit dem ohne einen Schnitt gedrehten „Victoria“ auf. Doch was kann danach kommen? Schipper holte sich einen Drehbuch-Profi an seine Seite: Oliver Ziegenbalg („Friendship!“, „25 km/h“). Zusammen ersannen sie eine sehr heutige Geschichte, in der zwei Jungs im Zentrum stehen.

Der 18-jährige Brite Gyllen (Fionn Whitehead aus „Dunkirk“) macht mit der Familie Urlaub im sonnigen Marokko. Doch da scheint vieles schiefgelaufen zu sein, also hat Gyllen das Wohnmobil seines Stiefvaters gemopst und trifft nun unterwegs auf den gleichaltrigen Kongolesen William (Stéphane Bak). Der möchte unbedingt rüber nach Europa, um ­seinen seit Monaten verschwundenen ­Bruder zu finden. Die beiden tun sich zusammen und erleben diverse Abenteuer: Zum einen muss William über die Grenze geschmuggelt ­werden, es gilt, lästige Alt-Hippies (unter ­ihnen Moritz Bleibtreu) auszubooten. Und zum ­anderen ist da auch noch Williams Bruder.

Das chronologisch an Originalschauplätzen gedrehte Drama schildert nicht nur die Erlebnisse zweier Teenager, es zeigt auch hautnah eine zerrissene Welt mit ­vielen Zäunen. „Roads“ erzählt aber auch von tiefer Freundschaft und von Menschen, die ­aufopferungsvoll Geflüchteten helfen. Das auf Englisch gedrehte Roadmovie vereinfacht die Flüchtlingsproblematik nicht und macht trotzdem vor allem auf emotionaler Ebene Mut. Denn letztlich sind es mensch­liche ­Beziehungen, die diese Welt ausmachen.

Roads D/F 2019, 100 Min., R: Sebastian Schipper, D: Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Moritz Bleibtreu, Ben Chaplin, Start: 30.5.

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