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Dokumentarfilm

„Francos Erbe – Spaniens geraubte Kinder“ im Kino

„Te estamos buscando“ steht in weißen Großbuchstaben geschrieben – „Ich suche dich“. Nacheinander treten ältere Frauen und Männer vor die Kamera. „Ich bin Ana und suche meine Tochter. Du bist 1980 geboren…“ – die Liste der vermissten Familienmitglieder ist lang.

Foto: Soilfilms

Während der 36-jährigen Gewaltherrschaft Francos in Spanien sollen rund 300.000 Säuglinge der politischen Gegner zwangsadoptiert worden sein. Bereits bei der Geburt habe man die Kinder von ihren Müttern getrennt, um sie bei regimetreuen Familien aufwachsen zu lassen. Die Akteure: geachtete Mitglieder der katholischen Kirche, Ärzte, Hebammen, Notare und Sozialämter.

Inga Bremers Dokumentarfilm begleitet Opfer auf ihrer Suche nach Identität. Zum Beispiel Clara, die 2013 einen anonymen Anruf bekam, ob sie ihre Tochter sehen wolle. Welche Tochter? Sie hatte doch damals einen toten Sohn zur Welt gebracht …

Die 42-jährige Alicia ist eine dieser „gestohlenen Babys“. Aufgebracht berichtet sie von einer Nonne, die ein lukratives Geschäft mit dem Kinderwunsch anderer machte. Frei nach dem Motto „Du willst ein Baby? Dann zahl’ und wir finden eins.“ Nun sucht Alicia ihre leibliche Mutter – doch das ist gar nicht so einfach. Trotz der sich häufenden Beweise wurde bislang niemand verurteilt. Denn die involvierten Personen aus Politik und Kirche bündeln offenbar ihre Macht, um den Skandal kleinzuhalten.

Die verstörende wie eindringliche Dokumentation beleuchtet den frustrierenden Kampf der Betroffenen. Die Porträts der einzelnen Protagonisten sind tränenreich und ungeschönt; ähnlich wie die Kamera, die zeitweilig wackelt oder abbricht.

Francos Erbe – Spaniens geraubte Kinder D 2016, 70 Min., R: Inga Bremer, Start: 6.4.,

Premiere: Fr 7.4., 20 Uhr, Babylon, Rosa-Luxemburg-Platz

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