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Franz Stadler über sein Buch „Immer wenn das Licht angeht“

Franz_Stadler_c_DavidVonBeckerEr war einer der Pioniere der Berliner Programmkinoszene und, als er nach 39 Jahren 2010 sein Kino Filmkunst 66 aufgab, der letzte dieser ersten Generation. Der Name von Franz Stadler stand für ein Kino der Entdeckungen, im gegenwärtigen Filmschaffen wie in den entlegensten Winkeln der Filmgeschichte. Dabei gelang es ihm immer wieder, sein Publikum für das zu begeistern, was ihm selber gefiel, im „Nebeneinander von Bogart und der ‚Bettwurst‘, von Tarkowskij und Walt Disney“. So formuliert es Tom Tykwer in seinem Vorwort zu dem Buch, das Stadler jetzt über seine Kinozeit veröffentlicht hat. „Immer wenn das Licht ausgeht“ versammelt 66 Berliner Kino­geschichten, ist aber keine Anekdotensammlung, sondern ein ebenso kurzweiliges wie informatives Buch über die Liebe zum Kino.

Herr Stadler, der letzte Satz Ihres Buches lautet: „Die Schatten der Vergangenheit holen einen immer wieder ein.“ Sie sind an Ihrem neuen Wohnort in der westfälischen Provinz auf Menschen getroffen, die entweder in Berlin früher Stammgäste des Filmkunst 66 waren oder aber Verwandte in Berlin haben, die das Kino kennen.

Das habe ich bewusst als Schlusspunkt gewählt, denn ich bin ja eigentlich aus Berlin weggegangen und habe mein Lebenswerk zurückgelassen, damit ich dort nicht ständig um das Kino herumschleiche und möglicherweise etwas beobachte, was mir nicht gefällt. Ich wollte nicht nur gedanklichen, sondern auch räumlichen Abstand gewinnen.

Die Zeit vor 40 Jahren, als es in Berlin vier Off-Kino-Macher gab – Sie, Gunter Rometsch (Notausgang), Michael Weinert (Klick) und Walter Pohli (Die Kurbel) – fiel mit dem gesamtgesellschaftlichen Aufbruch Ende der 1960er-Jahre zusammen …
Genau. Vielleicht zehn Jahre später hätte das so nicht mehr entstehen können. Durch den massenhaften Output von Filmen im Fernsehen und dann auf Video hat sich doch alles sehr verändert: Was einst unsere liebste Spielwiese war, nämlich alte Filme wiederzuentdecken, war da nicht mehr möglich. Und: So eine Freundschaft wie in der Anfangsphase hat es nie wieder gegeben.

Der Beruf des Kinomachers wäre unter den jetzigen Umständen gar nicht mehr so attraktiv für Sie?
Ich habe es bis zum Schluss gerne gemacht und habe immer noch versucht, kleine Akzente zu setzen, das war ja die Spe­zialität des Kinos. Der Hauptreiz lag immer wieder darin – ob das nun große Festivals waren oder einzelne Premieren –, Publikum zu gewinnen für die Filme, die ich selber entdeckt hatte und die ich toll fand. Das ist manchmal gelungen und manchmal nicht. Es gab Filme, die trotz guter Kritiken nicht liefen – und umgekehrt. Bei „Brot und Tulpen“ waren die Kritiken gar nicht so toll, aber vom ersten Tag an haben die Leute das Kino gestürmt, vor allem die Frauen.

Sie schreiben am Ende auch vom „Wandel des Publikums“, seiner „Verbürgerlichung“ – dass zuletzt die 17.30-Uhr-Vorstellung so gut lief wie die 20-Uhr-Vorstellung, weil Sie damit ein anderes, älteres Publikum angezogen haben, während die Spätvorstellung kommerziell stark abgebaut hat.
Das sind allgemeine Entwicklungen. Viele Kollegen konzentrieren sich heute auf reine Filmkunst, zum einen, um ihr Image nicht zu verwässern, zum anderen, weil es eben ein so reiches Programmangebot gibt, dass sie gar nicht auf anderes zurückgreifen müssen.

Sie planen, als nächstes ein Buch über die Kinokomödie zu schreiben?
Ich bin schon kräftig dabei, der Titel lautet „Ein Gag kommt selten allein“.

Interview: Frank Arnold

Foto: David von Becker

Franz Stadler: „Immer wenn das Licht ausgeht“ Mit einem Vorwort von Tom Tykwer, Re Di Roma-Verlag, 12,95 Ђ;

Buchvorstellung am So 9.12., 13 Uhr im Bücherbogen am Savignyplatz

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