Dokumentarfilm

Welcome to Sodom

Was passiert mit unserem Elektromüll? Die Doku „Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier“ geht der Sache nach

Foto: Camino Filmverleih

Bekanntermaßen sind die Zustände auf der Welt schlimm. Zahlreiche Dokumentarfilme tun dies mit Leichenbittermiene und erhobenem Zeigefinger kund. Auch „Welcome to Sodom“ nimmt sich einen Missstand vor – und was für einen! –, verzichtet dabei jedoch zur Gänze auf mühsames Betroffenheitspathos. Wer Augen hat zum Sehen, sieht ohnehin, dass der porträtierte Ort auf immer verloren ist und die Menschen, die dort arbeiten, dem Tod geweiht sind.

Die österreichischen Dokumentaristen Florian Weigensamer und Christian Krönes filmen in Agbogbloshie am Rande von Accra, Ghana, wo jährlich 250.000 Tonnen Elektroschrott, tja, nicht wirklich recycled, aber in Einzelteile zerlegt oder zu Klump geschlagen werden. Vieles geht auch in Flammen auf. Dazwischen Ziegen und Rinder, die auch immer noch irgendetwas Brauchbares aus den Müllbergen ziehen. Sowie kleine Kinder, die den in schwarzen Schwaden stehenden Männern das kühlende Wasser verkaufen. Schlimm ist gar kein Ausdruck für die gezeigten Zustände.
Für diese Erkenntnis braucht es kein erklärendes Voiceover, also lassen Weigensamer und Krönes stattdessen einige der Protagonisten aus dem Off von ihrem Leben und von ihren Hoffnungen erzählen. Damit verändern sich auch die Bilder: Sie geben nun Einblick in eine post-apokalyptische Ökonomie von Selfmademen, die eine Geschäftsgelegenheit zu ergreifen wissen, so sie sich bietet. Soweit das Auge reicht: mögliche Deals.

Nur am Rande dieser höllischen Kloake steht ein irrer Prediger und warnt mit prophetischem Furor vor dem Zorn Gottes, der einst auf Sodom niederfuhr und der auch dieses Mekka des freien Unternehmertums dem Erdboden gleich machen wird. Agbogbloshie ist einer der Orte, an dem die Menschen von ­Europa träumen. Sie wollen dorthin, wo der Müll herkommt. Wer könnte es ­ihnen verdenken?

Welcome to Sodom, A 2018, 92 Min., R: Florian Weigensamer, Christian Krönes, Start: 2.8.

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