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Heute auf der Berlinale

Ziemlich enttäuschend verlief dagegen die gestrige Weltpremiere des neuen Oskar Roehler-Films „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Der deutsche Regisseur scheitert mit seiner Geschichte rund um die Dreharbeiten des Nazi-Propaganda-Films „Jud Süß“ an den eigenen Ansprüchen. Er habe die Nazis einmal anders zeigen wollen, sagte Roehler auf der Pressekonferenz zu seinem Film. „Der Film zeigt die High Society des Dritten Reichs, nicht wieder irgendwelche marschierenden Truppen.“
Bleibt die Frage: Warum soll man sich für diese High Society interessieren? Moritz Bleibtreu übertreibt den Joseph Goebbels derart, dass man ihn zu keinem Zeitpunkt des Films ernst nehmen kann, während Tobias Moretti als „Jud Süß“-Darsteller Ferdinand Marian zu sehr an der Oberfläche der Zerissenheit hängen bleibt, um die eigene Figur interessant zu machen. Insgesamt verfährt der Film von Oskar Roehler zu sehr nach dem Prinzip der Abhandlung einzelner Etappen und Zeitabschnitte. Die pure chronologische Abarbeitung der Geschehnisse lässt zu wenig Raum für echte Charakterentwicklungen und zeigt die Nazis letztlich genau so, wie man sie schon viel zu oft gesehen hat: Als Zombies der Geschichte auf Guido Knopp-Niveau. Lesen Sie hier die ausführliche Kritik von Robert Weixlbaumer

Einen Tag vor der Verleihung der Goldenen und Silbernen Bären biegt das Berliner Festival nun sozusagen auf die Zielgerade ein. Mit Spannung erwartet wird dabei am heutigen Tage im Wettbewerb noch die Premiere von Michael Winterbottoms „The Killer Inside Me“. Der Regisseur, der 2003 mit dem Flüchtlingsdrama „In This World“ den Goldenen Bären schon einmal gewonnen hat, präsentiert einen Thriller um einen texanische Kleinstadtcop, der selbst ein psychopathischer Sadist ist und Menschen umbringt. Der Film ist die Adaption eines Romans von Jim Thompson.

Kurz vor Abschluss des Festivals feiert sich die Berlinale zu ihrem 60. Geburtstag noch einmal gebührend selbst. Der Musicalfilm „Nine“ läuft heute und morgen in der Sektion „Special“ und lässt Hollywood-Größen wie Nicole Kidman, Kate Hudson und Penelopй Cruz das Tanzbein schwingen und die Stimme zum Gesang erheben. Wir haben mit den weiblichen Stars des Films gesprochen. Lesen Sie hier unser Interview zu „Nine“ auf der Berlinale 2010.

Ein Familienfilm im wahrsten Sinne des Wortes ist der Animationsfilm „Summer Wars“ des japanischen Regisseurs Mamoru Hosoda. Er verwebt geschickt die virtuelle mit der realen Welt. Der Film läuft noch heute und morgen in der Berlinale-Sektion „Generation 14plus“. Lesen Sie hier: „Summer Wars“ auf der Berlinale 2010.

Weiter unten auf dieser Seite finden Sie natürlich auch weiterhin unsere Live-Tweeds von der Berlinale auf unserem tip-Kino-Kanal. Und damit Sie auch ja nichts verpassen: Folgen Sie uns hier auf twitter.

Wie schon seit vielen Jahren, gibt es auf der Berlinale auch dieses Jahr wieder den Panaroma Publikumspreis, der von der Berlinale in Zusammenarbeit mit Radio Eins und dem tip-Stadtmagazin präsentiert wird. Im Panorama entscheiden die Kinogänger über die Vergabe des Siegerpreises. Dies geschieht entweder durch Abstimmung direkt im Kino oder über die Webseite des Panorama-Partners Radio Eins. Zur Abstimmung für den Panorama Publikumspreis geht es hier.

Immer sehr beliebt ist auch unser komplettes Berlinale-Programm im Hosentaschenformat. Unser tip-Extra „Berlinale“ klebte als Booklet auf der letzten Ausgabe unseres Heftes. Für alle, die tip 04/10 am Kiosk verpasst haben, gibt es das Booklet hier als pdf-Datei zum Runterladen.

Hier in der Übersicht – alle bisherigen Tage der Berlinale:

Freitag, 12.02.2010

Samstag, 13.02.2010

Sonntag, 14.02.2010

Montag, 15.02.2010

Dienstag, 16.02.2010

Mittwoch, 17.02.2010

Donnerstag, 18.02.2010

Weitere Berlinale-Links:

Kulinarisches Kino der Berlinale

Interview mit einem Mitglied der Kinderjury 2009

Schnitzeljagd auf der Berlinale: Wer ist banksy?

Berlin Today Award geht nach Australien

Berlinale Shorts: Goldener Bär an Ruben Östlund

Text: Martin Zeising

 

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