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„Frost/Nixon“ im Kino

Frost/NixonEs war eine Sternstunde des Fernsehens: Einem Journalisten gelingt es, durch seine Fragen einem Mächtigen etwas zu entlo­cken, was dieser eigentlich nicht preisgeben wollte. In diesem Fall war es nicht weniger als ein Eingeständnis des ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon. Endlich übernahm er die Verantwortung für die Watergate-Affäre, für den Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei, der im Jahr 1974 eine nationale Krise ausgelöst und schließlich zum bislang einzigen Rücktritt eines US-Präsidenten geführt hatte.
Drei Jahre nach dem Skandal fand dieses legendäre Fernsehduell in vier Runden statt: auf der einen Seite Nixon, dessen Agent um ein hohes Honorar gepokert (und es bekommen) hatte. Doch es ging um mehr.?Der Expräsident hoffte, das amerikanische Volk würde ihn wieder lieben, wenn er sich endgültig zu rechtfertigen verstand; auf der anderen Seite der britische Fernsehjournalist David Frost, der eine Möglichkeit sah, seiner ins Stocken geratenen Karriere einen neuen Schub zu geben. Er war ein Entertainer, kein politischer Journalist – entsprechend hielt ihn nicht nur Nixon für ein Leichtgewicht und unterschätzte ihn. Aber Frost war ehrgeizig, er wusste, welchen Einfluss das Interview haben könnte.? Am Ende zierte sein Konterfei die Titelblätter von „Time“ und „Newsweek“, 1993 wurde er von der Queen zum „Sir“ ernannt.
Das Drehbuch zu „Frost/Nixon“ stammt von Peter Morgan, der zuvor Stephen Frears’ präzise Machtstudie „Die Queen“ geschrie­ben hatte. „Frost/Nixon“ war zu­erst ein Theaterstück und ist in der spannungsgeladenen Filmversion von Ron Howard im Kern ein Zweipersonenstück geblieben, das Duell zweier Männer auf der Suche nach Anerkennung, bei der nur einer gewinnen kann. Michael Sheen als Frost und Frank Langella als Nixon stehen sich in diesem Zweikampf gegenüber. Zugleich erzählt der Film eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte – ein Mann mit Sinn fürs Geschäft und der Attitüde eines Showmasters wächst im harten Polittalk über sich hinaus. Ron Howard lässt in der Schwebe, was bei Frosts Triumph präzise Vorbereitung war und was glückliche Fügung, ebenso wie er Nixon als einen Mann zeigt, der die Macht verspielt hat und da­runter leidet, sich aber immer noch zu rechtfertigen weiß.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Frost/Nixon, USA 2008; Regie: Ron Howard; Darsteller: Michael Sheen (David Frost), Frank Langella (Richard Nixon), Kevin Bacon (Jack Brennan); Farbe, 122 Minuten

Kinostart: 5. Februar 2009

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