Kino & Stream

„Fucking different Sao Paolo“ im Kino

Fucking Different Sao Paolo

Dass sich brasilianische Männer in gelbgrünen Trikots vor’m Fernseher versammeln, wenn die Nationalmannschaft spielt, kann man ihnen nicht verdenken. So fällt es nicht weiter auf, als sich zwei gestresste Ehefrauen zurückziehen, während ihre Männer Tore bejubeln. Auf der Terrasse erzählen sie sich von ihren Traumfantasien, bis sich plötzlich ungeahnte Sehnsüchte bahnbrechen. Der humorvolle Erzählstil in „After Lunch“ von Rodrigo Diaz Diaz erinnert an das sinnliche Kino Pedro Almodovars, die temperamentvollen Protagonistinnen könnten fast einem seiner Filme entsprungen sein. Diaz‘ Kinominiatur ist eine unter 14 Episoden, die während eines Workshops in Sгo Paolo entstanden sind. In dem in verschiedenen Metropolen realisierten „Fucking Different“-Projekts erzählen schwule und lesbische Filmemacher aus jeweils wechselseitiger Perspektive Geschichten aus der queeren Lebenswelt. Mal wirken die in gänzlich unterschiedlichen Stilistiken erzählten Stories eindringlicher, teils fliegen sie dahin nach Art eines Musikvideofilms. Kenner der vorigen „Fucking Different“-Kompilationen, die der Berliner Produzent Kristian Petersen zuvor mit Beiträgen aus Berlin, New York und Tel Aviv präsentierte, können zudem Porträts der Metropolen sehen: Wo sich beispielsweise in Tel Aviv die Geschichten oft um Religion und politische Aspekte drehen, tauchen die brasilianischen Episoden eher in die häuslich-private Sphäre von Liebespaaren ein – mit oft romantisch-optimistischem Unterton.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Fucking Different Sao Paolo“ im Kino in Berlin

Fucking Different Sao Paolo, Brasilien 2009; Regie: Rodrigo Diaz Diaz, Ricky Mastro u.a.; 95 Minuten

Mehr über Cookies erfahren