Kommentar

„Führungsrunden“ von Lars Penning

Als Filmkritiker glaubt man ja ­immer gern, man würde über hehre Kunst berichten. Liest man dann die Nachrichten aus der Fachpresse, kommen einem aber immer wieder Zweifel.

Lars Penning

Könnte es vielleicht doch vor allem ums Geld gehen? Zum Beispiel hat der neue Disney-Animationsfilm „Vaiana“, der bei uns erst am 22. Dezember in die Kinos kommt, in den USA jetzt den besten Mittwochskinostart eines Disney-Films jemals hingelegt.
Wow! Doch was bedeutet das ­eigentlich? Könnte man auch ­einen Rekord mit fünf zahlenden Zuschauern erzielen, wenn man etwa einen Film am Dienstagnachmittag startet? Einfach, weil sonst nie ein Film am Dienstagnachmittag startet? Natürlich nicht, das ist alles viel ernster. In den USA geht es um Zahlen rund um Thanksgiving, und das ist in Amerika schließlich der wichtigste Feiertag nach Weihnachten. 15,68 Millionen Dollar klingelten an jenem Mittwoch in der Kinokasse, was die Disney-Aktionäre sicher freut. Mir kommt das trotzdem ungefähr so interessant vor wie die absurden Infos bei Autorennen im TV: Das sei jetzt die 9265. Führungsrunde eines Ferrari seit Anbeginn des Rennsports gewesen, weiß der Kommentator gern zu berichten, stolz wie Bolle auf die nutzlosen Statis­tiken seiner Datenbank. Ist ein schöner Film, „Vaiana“. Ehrlich. Nur für den Fall, dass Sie gern zum tollsten Weihnachtskinostart eines Disney-Films in Buxtehude-Nord beitragen möchten. Jemals. Bis zur nächsten Statistik.

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