Dokumentarfilm

„Fünf Sterne“ im Kino

Letztes Werk: Das intime Porträt einer krebs­kranken Künstlerin

Foto: Salzgeber

Ahrenshoop riecht nach Meer und hat hundert verschiedene Himmel. Das sagt Ines, die auf dem Balkon des Hotelzimmers steht und raucht, wie so oft in diesen vier Wochen. Die Perspektive, die sich hier oben einnehmen lässt, passt zu ihr. Nicht ganz drinnen, nicht ganz draußen, ein Leben in der Übergangs­zone. Vier Wochen lang hat Annekatrin Hendel ­(„Anderson“, „Fassbinder“) ihre Freundin Ines Rastig in diesem Zimmer gefilmt. Hendel ist mit einem Künstlerinnenstipendium nach ­Ahrenshoop gekommen, aber was sie por­trätiert, ist nicht das Ostseebad, sondern die Untermieterin ihres Zimmers, die sie mitgebracht hat.
Ines ist aus der Balance, schwer krank. Ihre Facebookfotos sind zum Spiegel ihrer Innenwelt geworden, sie bilden einen eigenen Film aus vernetzten Momentaufnahmen – Ines’ letztes Werk. Sie hat in ihrem Leben vieles gemacht: Tänzerin im Kinderballett des Friedrichstadtpalasts, Sängerin in einer späten DDR-New-Wave-Band, Fotografin, Szenenbildnerin beim Theater. Alles, was sie ­berührte, wurde Kunst, sagt die Regisseurin, die seit 33 Jahren mit ihr befreundet ist. Vor zwei Jahren hat sich Ines’ Mann getrennt. Ende der bürgerlichen Existenz. Ines blieb in einer unmöglichen ­Affäre hängen, verlor die Wohnung. Dann kam die Lungenkrebsdiagnose.
„Fünf Sterne“ fängt im Kosmos des Hotelzimmers ganz sparsam auf, was sich im gemeinsamen Alltag über die Krankheit zeigt: die Medikamentendosis am Morgen. Und die Abwehr der Freundin, die mit ihrer Facebook- und Bildersucht die realen Konflikte verdrängt. Das intime Dokument eines lakonischen Abschieds vom Leben, distanziert und sehr nah – ein Freundschaftsbeweis.

Fünf Sterne D 2016, 79 Min., R: Annekatrin Hendel, Start: 11.5.

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