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„Für immer Shrek“ im Kino

Für immer Shrek? Ist das nun ein Versprechen oder eher eine Drohung? Dabei hatte uns die Produktionsfirma DreamWorks doch eigentlich versichert, dass der nunmehr ?­vierte Leinwandauftritt des sympathischen grünhäutigen Unholds auch sein definitiv letzter sein sollte („The Final Chapter“). Schließlich hat man den Nachfolger ja schon in petto: Der beliebte Gestiefelte Kater tritt demnächst aus dem Schatten als Shrek-­Nebenfigur hinaus und bekommt seinen ­eigenen Film („Puss in Boots: Story of an ­Ogre Killer“), der wohl 2011 unsere Kinos erreichen wird. Doch der Originaltitel des ­aktuellen Shrek-Films „Shrek Forever After“ gibt Entwarnung: „Forever After“, das ent­­spricht schließlich nur ­­­der schönen deutschen ­Märchenformulierung „…lebten sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebens­ende“, was man Shrek und ­Fiona ­ja auch wahrlich ­wünschen möchte.
Doch das Glück im Märchenland „Weit Weit Weg“ will verdient werden: Zufrieden ist Shrek mit seinem Leben nach den bisherigen drei Happyends nämlich nicht so recht. Gemeinsam mit Fiona hat er drei fröhlich plärrende ­Babys zu versorgen, deren Windeln ­gewechselt und entsorgt werden ­wollen, zudem suchen den die ­Ein­samkeit liebenden Unhold Bus­ladungen von Touristen heim, selbst ­die Bauern wollen ihre Mistgabeln signiert ­bekommen.
Immer schneller montiert der Film die Versatzstücke eines ewig gleichen täglichen Einerleis aneinander, bis Shreks Ernüch­terung und der heranziehende Tob­suchts­anfall geradezu greifbar sind: Shrek will sein altes Leben zurück, mit Ruhe im Sumpf und furchtsamen Bauern. Aber der Oger-für-­einen-Tag-Vertrag, den er daraufhin bei Rumpelstilzchen unterschreibt, hat seine Tücken: Als Tag, den Shrek für sein Zurück-zu-den-Wurzeln-Abenteuer eintauschen muss, wählt Rumpelstilzchen den Tag von dessen Ge­burt – am Ende wird es also so sein, als ob Shrek nie geboren worden wäre. Es sei denn, er er­ringt erneut Fionas Liebe.
Das große Vergnügen, das man beim ­Betrachten dieses von Mike Mitchell inszenierten Animationsabenteuers verspürt, entsteht aus den neuen ­Zusammenhängen, in die der Film die vertrauten Figuren stellt. Denn Shrek findet sich nun in einem Paralleluniversum wieder, in dem eine ­mögliche Variante der bisherigen Oger-Geschichte erzählt wird, in der er von niemandem gekannt wird. Sein bislang bester Freund, der sonst so aufdringliche und ­anhängliche Esel, will erstmal gar nichts von ihm wissen, und auch der fesche Gestiefelte Kater ist hier zur moppeligen Schmusekatze mutiert, die ihre Ruhe haben will. Prinzessin ­
Fiona wartet nun auch nicht mehr ­im Schlossturm auf ihren Retter, sondern hat sich selbst befreit und führt im Wald eine Oger-Untergrundarmee im Kampf gegen Rumpelstilzchen an, der sich zum Herrscher im Märchenland aufgeschwungen hat. Auf Shrek und seine Annäherungsversuche reagieren die anderen Figuren, als sei er ­soeben einer Irrenanstalt entsprungen.
Somit entwickelt der Film ein deutlich anderes Konzept als etwa der Ende Juli anlaufende Pixar-Trickfilm „Toy Story 3“, der seine vertrauten Figuren aus einer ebenfalls wohlbekannten Ausgangssituation heraus in die Konfrontation mit neuen Figuren und im Schweinsgalopp durch Abenteuer in allen möglichen Filmgenres schickt. Mit seiner sehr stringent erzählten Geschichte funktioniert „Für immer Shrek“ auch deutlich besser als etwa der zweite und dritte Teil des Oger-Opus, die ja beide mit ihrem Überfluss von Popmusik- und Filmreferenzen eher un­eineinheitlich wirkten.
Für immer Shrek? Angesichts der Tat­sache, dass das große Finale nun so über­raschend amüsant ausgefallen ist, muss man den Abschied des grünen Unholds von der Leinwand zweifellos bedauern. Aber so ­genau weiß man das in der Kinobranche ja sowieso nicht: Sage niemals niemals.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Für immer Shrek“ im Kino in Berlin

Für immer Shrek (Shrek Forever After), USA 2010; Regie: Mike Mitchell; Stimmen: Mike Myers (Shrek), Cameron Diaz (Fiona), Eddie Murphy (Esel); 93 Minuten.

Kinostart: 30. Juni  

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