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„The Future“ im Kino

The Future

Mit großen Augen bestaunt sie die Welt, sehr ernst und stets auch ein wenig unbedarft: Die Künstlerin Miranda July sieht, wenn man das so sagen darf, ihren Filmen ähnlich. Vermutlich besetzt sie sich deshalb in diesen Arbeiten gern auch als Hauptdarstellerin. So wird „The Future“, ihr zweiter Film nach „Me and You and Everyone We Know“, erneut vom leicht drögen Blick der Regisseurin geprägt, die da Einblicke in eine Welt gewährt, in der das Staunen vorerst noch zu helfen scheint.
July stellt in ihrer Arbeit den Blick entschieden zurück vom Zynismus auf Naivität: als müsse man über den Zumutungen des gegenwärtigen Lebens nicht gleich alle Illusionen verlieren. Arglos ist das neue Ausgefuchst, und nur wer sich treiben lässt, mit den besten Wünschen für sich selbst und alle anderen, wird unbeschadet über die Runden kommen. Das ist eine sehr sympathische Position, aber sie garantiert einen großen Film eben noch nicht ganz. „The Future“ versucht damit dennoch durchzukommen – und überlässt sich der skurrilen Fantasiewelt der Nerds und späten Slacker: Sophie und Jason, gespielt von Miranda July und Hamish Linklater, leben in Los Angeles auf nichts Konkretes hin. Sie adoptieren eine streunende Katze und sprechen viel über den drohenden Verlust ihrer Freiheit in fixen Arbeitsverhältnissen und anderen konservativen Lebensentwürfen. So kündigen sie strategisch ihre Jobs, um einen vollen Monat lang in perfekter Freiheit exklusiv an Dingen zu arbeiten, die sie wirklich lieben: dem Tanzen, dem Faulenzen und ihrer Beziehung. Die Rechnung geht nicht auf.    
Julys sanfte Fabel von der Existenzangst und dem hypothetischen Leben, das man dagegenhalten kann, ist zweifellos nicht ohne Originalität. Aber mit Fortdauer des Films beginnt die manierierte Qualität der Inszenierung sich abzunützen, wirkt der konsequent sedierte Tonfall des Darstellerpaars gezwungen. Das seltsam träumerische, andeutungsweise auch abgründige Flair, das „The Future“ wohl besitzt, verfliegt – und hinterlässt nur das Gefühl, mit diesem ungreifbaren Film nichts von Bedeutung erlebt zu haben.

Text: Stefan Grissemann

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „The Future“ im Kino in Berlin

The Future, Deutschland/USA 2010; Regie: Miranda July; Darsteller: Miranda July (Sophie/Stimme von Paw-Paw), Hamish Linklater (Jason), David Warshofsky (Marshall); 91 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 27. Oktober

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