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„Gefährten“ im Kino

Gefaehrten_03_c_David_Appleby_DreamWorks_II_Distribution_Co._LLC.Wenn Steven Spielberg einen Kriegsfilm dreht, dann kommt meistens eine kanonische Darstellung heraus. So war das bei „Saving Private Ryan“, in dem er den Helden des Zweiten Weltkriegs und da vor allem der Invasion in der Normandie ein Denkmal setzte, und so soll das nun wohl auch mit „Gefährten“ („War Horse“) sein, mit dem er die Schrecken des Ersten Weltkriegs so eindringlich in Erinnerung ruft, dass der Klassiker „Im Westen nichts Neues“ dadurch Konkurrenz bekommt. Doch der Krieg macht eigentlich nur einen, wenn auch den wichtigsten Teil dieser Geschichte aus, die in der Idylle der südwestenglischen Provinz beginnt und dort auch endet. In Devon leben die Narracotts: Vater, Mutter und Sohn, rechtschaffene Bauern, die meist nur mit knapper Not die Pacht für ihr Land aufbringen. So idealisiert Spielberg diese Landschaft zeichnet, so deutlich bleiben doch die Klassengegensätze, die sie durchziehen. Der störrische Vater Narracott, ein Veteran des Burenkriegs in Afrika, kauft eines Tages auf dem Markt ein Pferd, das gar nicht für die schwere Arbeit am Pflug geeignet ist. Dieses edle Tier trägt den Namen Joey, für den jungen Albert Narracott ist Joey das Ein und Alles.

Dies ändert sich auch dann nicht, als der Krieg ausbricht und Joey requiriert wird. Für das Pferd beginnt nun eine Odyssee, die Spielberg die Gelegenheit gibt (auf Grundlage des Romans von Michael Morpurgo), das Kriegsgeschehen in wesentlichen Etappen zu zeigen – mal findet Joey Zuflucht bei einem Marmeladebauern, mal wird er als Zugpferd für die Artillerie fast zu Tode geschunden, mal gerät Albert, nun schon selbst im Feld, in den Gaskrieg, und irgendwann scheint das Pferd von dem Wahnsinn einfach genug zu haben. Joey galoppiert los und läuft mit seiner ganzen Energie genau an den neuralgischen Punkt dieses insgesamt doch deutlich zu pathetischen Films: Zwischen den Fronten, in Stacheldraht gefesselt, wird Joey zum Inbegriff der hilflosen Kreatur – und die Menschen kommen ins Grübeln. Von diesem starken Moment aus sucht Spielberg dann aber doch wieder sein universales Thema – nur nach Hause, nur nach Hause führt der Weg.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Andrew Coopers, SMPSP / Dreamsworks II Distribution Co.,LLC.

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Gefährten“ im Kino in Berlin

War Horse USA/Indien 2011; Regie: Steven Spielberg; Darsteller: Emily Watson  (Rose Narracott), Peter Mullan (Ted Narracott), Jeremy Irvine (Albert Narracott); 147 Minuten; FSK 12

Kinostart: 16. Februar

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