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Gefängnisdoku „Meine Freiheit, deine Freiheit“

Meine_Freiheit_Deine_FreiheitRuhig und gefasst erzählen sie die ungeheuerlichsten Dinge. Die etwa 20-jährige Deutschkurdin Kübra, wie sie im Knast ein Mädchen schwer misshandelt hat, und die etwa 40-jährige Äthiopierin Salema, dass sie mit zwölf Jahren von einem Erwachsenen geschwängert wurde. Kennengelernt haben Kübra und Salema sich in der JVA Lichtenberg, beide sind drogensüchtig.
Abwechselnd folgt ihnen Diana Näcke in „Meine Freiheit, deine Freiheit“ durch die Stadt und in die Zelle, auf dem Weg in die Therapie, auf einem Ausflug in die Freiheit, beim Absturz in den Rausch und in neuerliches Elend. Näcke holt auch Gefängnisdirektor Blümel ins filmische Gewebe und unterläuft geschickt dessen rhetorische Routinen, indem sie ihn beim Besuch der Mutter im Altenheim zeigt. Einzelne Stimmen, einzelne Schicksale, einzelne Bemühungen, die vergeblich bleiben – und die zugleich das gegenwärtige Dilemma des Strafvollzugs zeigen: die Sinnlosigkeit bloßen Wegsperrens und Verwahrens, weil für effektive Resozialisierungsmaßnahmen die Mittel fehlen. Es ist ein Mangel an Ressourcen, der Leben kostet. Ganz konkret. Und das lässt einen dann doch verzweifeln.        

Text: Alexandra Seitz
tip-Bewertung: Sehenswert

Meine Freiheit, deine Freiheit im Kino in Berlin
Deutschland 2011;
Regie: Diana Näcke;
84 Minuten; FSK 12;
Kinostart: 31. Mai

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