Tragikomödie

„Gegen den Strom“ im Kino

Öko-Kriegerin mit Pfeil und Bogen im Kampf gegen die Aluminiumindustrie

Pandora

Halla ist eine Frau der Tat. Wie sie unerschütterlich in der menschenleeren Weite Islands steht, ihren Bogen spannt und ausgerechnet mit einem Aluminium-Pfeil die Stromversorgung für eine Alu-Hütte boykottiert – das sagt alles. Hier ist eine Frau um die 50, kämpferisch, konzentriert, eine Umweltaktivistin aus dem Bilderbuch. Sie kennt die Konsequenzen ihres Handelns und duckt sich nur vor jenen weg, die sie bald jagen werden mit Hunden, Hubschraubern, Nachtsichtgeräten, sogar mit Drohnen. Denn für die Politiker und Industriellen ist die „Berg-Frau“, wie sie die Medien bald nennen, eine Terroristin, die Islands Wirtschaftswachstum gefährdet. Hier wird der Film realistisch: Ist doch die isländische Aluminiumindustrie wegen günstiger Energiepreise seit 2005 so stark gewachsen, dass selbst Feenmythen den Raubbau an der einzigartigen Landlandschaft nicht verhindern können. Reale Kritik also, verpackt als skurrile, höchst sympathische Satire.

Bereits in „Von Menschen und Pferden“ (2014) skizzierte Regisseur Benedikt Erlingsson seine Landsleute lakonisch und humorvoll; diesem Blickwinkel ist er hier treu geblieben. Doch der Plot ist um einiges vielschichtiger. Denn Halla kann nicht nur mit Sprengstoff hantieren, sondern auch einen Chor dirigieren. Fesselnd, wie Halldóra Geirharðsdóttir dieser ­Figur auch Eleganz verleiht. Der Film überzeugt auch mit erstaunlichen Naturaufnahmen und liebenswerten Details: einem Musiker-Trio beispielsweise, das die bedeutsamen Filmmomente live begleitet. Ein spannendes Öko-Märchen, in dem die Guten wirklich gut sein dürfen.

Gegen den Strom IS/F/UA, 101 Min., R: Benedikt Erlingsson, D: Halldóra Geirharðsdóttir, Jóhann Sigurðarson, Davíð Þór Jónsson, Start: 13.12.

Mehr über Cookies erfahren