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Gespräch mit Luc Besson zu „Valerian – die Stadt der Tausend Planeten“

„Wenn du diesen inneren Frieden nicht hast, gehst du zugrunde “ – Der französische Kino-Tausendsassa Luc Besson hat sich an die Verfilmung des Kultcomics ­„Valerian – die Stadt der Tausend Planeten“ gewagt

Foto: Universum Film

Gerade bei eingefleischten Fans herrscht Skepsis – eine Filmversion von Jean-Claude Mézières’ legendärer, 50 Jahre alter Comicreihe „Valerian und Veronique“? Kann das gutgehen? Davon hat sich Luc Besson, 58, nicht abschrecken lassen und erzählt im tip-Interview von dem Respekt vor der ­Vorlage und den Schwierigkeiten eines ­solchen Mammutprojekts

tip Herr Besson, Sie haben „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ gerade persönlich der Berliner Presse präsentiert. Wie angespannt sind Sie so kurz vor dem Start dieses Riesenprojekts?
Luc Besson Stellen Sie sich vor, Sie sind ­Komiker, machen einen Witz – und niemand lacht. Das möchte wohl niemand erleben. Man wartet mit viel Demut und fragt sich: Werden sie ein Lächeln auf dem Gesicht ­haben, wenn sie aus dem Kino kommen? Man soll den Zuschauern ansehen: Sie waren wirklich im Weltraum, draußen im „space“.

tip Hat sich mit „Valerian“ für Sie ein Kindheitstraum erfüllt?
Luc Besson Ein Kindheitstraum war es eigentlich nicht. Ich habe mit Jean-Claude Mézières, dem Schöpfer der Vorlage, an dem Design zu „Das fünfte Element“ gearbeitet. Er war es, der schon damals sagte: Warum machst du ­eigentlich nicht „Valerian“? Ich kannte den Comic natürlich aus meiner Kindheit, aber es war mehr so ein kleiner Schatz für mich. Als würde dir jemand sagen, du solltest einen Film über deine Mutter machen, das würde dir selber nie einfallen. Viel zu persönlich. Zudem dachte ich auch, es wäre unmöglich. In „Valerian“ gibt es zwei Agenten und 2.000 Aliens. Wie soll das gehen? Also warteten wir einfach mal ab. Zehn Jahre später kaufte ich dann die Rechte, sagte aber immer noch zu Mézières: Mach mir keinen Druck, lass uns einfach mal schauen!

tip Was war letztlich ausschlaggebend?
Luc Besson Camerons „Avatar“ war der Durchbruch. Da war mir klar: Jetzt gibt es die Technologie und es geht. Wenn einer den Mond betritt, dann können andere es ihm nachmachen.

tip Wie kamen Sie auf die beiden Schauspieler?
Luc Besson Dane DeHaan ist für mich der neue DiCaprio. Man sieht sein Lächeln, seine Haltung, da ist alles klar. Bei den Frauen habe ich mich mehr umgesehen, und ich musste Cara Delevingne ein wenig auf die Probe stellen, denn sie hat weniger Erfahrung. Man muss sicher sein, dass sie nicht nur einmal gut ist, sondern so oft wie nötig.

tip Das Comic ist rund 50 Jahre alt. Musste man es aufpolieren?
Luc Besson Zuerst einmal musste man das Vertraute bewahren. Es ist, wie wenn man in ein Haus kommt und es riecht irgendwie wie bei der Großmutter. Genau so ergeht es mir mit ­Valerian. Er gehört zu meiner inneren Ausstattung. Manches haben wir auf den neuen Stand gebracht, das Innenleben der Transporter zum Beispiel, manches haben wir schön altmodisch gelassen. Das Altmodische sorgt für Realität. Es gibt zum Beispiel auch in unserem „Valerian“ immer noch Sicherheitsgurte, aber sie kommen automatisch. Das ist ein Detail, wie ich es liebe. Auch ­Helden müssen sich anschnallen oder gelegentlich pinkeln.

tip Stimmt es, dass Sie gesagt haben, George Lucas hätte sich für „Star Wars“ bei ­„Valerian“ bedient?
Luc Besson „Star Wars“ gehört George Lucas, ich bin ein riesiger Fan der ersten Filme. Kreative Menschen kriegen von überall her Inspirationen, er hat sicher auch in „Valerian“ etwas gefunden. Ich habe auch von ihm viel gelernt. ­Denken wir an die zwei Roboter, einer spricht nur elektronische Töne. Das hat es mir möglich gemacht, 20 Jahre später in „Das fünfte Element“ mit Leeloo eine Figur zu erschaffen, die kein Englisch spricht. Das geht immer hin und her mit den Ideen. Menschen haben sich bei meinem „Leon, der Profi“ bedient, manche sogar ausdrücklich wie Quentin Tarantino, der erzählt hat, was „Leon“ für ihn bedeutet.

tip War jetzt der ideale Moment in Ihrer Karriere für „Valerian“?
Luc Besson Wenn man anfängt, mit 18 oder 19 Jahren, ist man frisch, weiß aber gar nichts vom ­Leben. Man hatte eine Freundin, und soll schon von Liebe sprechen. Je länger man lebt, desto mehr verliert man an Frische und ­gewinnt an Wissen. Man muss die perfekte Phase ­finden, in der man noch genug Energie hat, aber schon viel weiß. Das ist wie bei einem Sportler, bei dem gibt es auch einen idealen Moment für die Goldmedaille. Ich wusste, dass ich „Valerian“ jetzt machen muss. Vor zehn Jahren wäre es noch zu früh gewesen, in zehn Jahren vielleicht schon zu anstrengend.

tip Was macht die besondere Herausforderung aus?
Luc Besson Fünf Jahre Arbeitszeit, 2.000 Mitarbeiter und ein Budget von fast 200 Millionen Euro – alles klar? Wenn du dir da nicht sicher bist über dich und dein Wissen, bist du nach drei Tagen tot. So groß ist diese Sache. Jeden Morgen, wenn man an den Set kommt, sind alle am Ausflippen – bis auf die Schauspieler und mich. Ich weiß genau, was an diesem Tag zu tun ist. Wenn du diesen inneren Frieden nicht hast, dieses Wissen, dann gehst du zugrunde.

tip Können Sie ein Beispiel für die Detailarbeit geben?
Luc Besson Es gab da dieses Bild, da wusste ich gleich, dass das schwierig werden würde. Wir sehen den Strand, die Kamera geht an dem Rücken von Maatri hinunter, wir sehen die Füße und die Wellen. Davon mache ich erst einmal eine Zeichnung, dann überlege ich mir die Kamera­optik. Dann haben wir mit den Wellen experimentiert. Wie lange braucht die Welle, bis sie die Füße erreicht? Die Künstler arbeiten drei Jahre am Sand und den Muscheln, die Szene dauert dann fünfeinhalb Sekunden. Aber die Vorbereitung hat Jahre gedauert.

tip Bei Ihrem dritten Film „Im Rausch der Tiefe“ war das Meer auch schon ein Spezialeffekt.
Luc Besson Mein großer Vorteil ist, dass ich selbst ­Taucher war. Ich bin in Griechenland am Strand aufgewachsen. Ich kannte den Taucher ­Jacques Mayol, ich war der richtige Mann für diesen Film. Über alles andere wusste ich nicht so viel, aber ich hatte schon ein bisschen Erfahrung mit dem Filmemachen.

tip Wird es Fortsetzungen von „Valerian“ geben? Eine Saga wie „Star Wars“ wird vielleicht schwierig. George Lucas war erst 33, als der erste Teil herauskam.
Luc Besson Für mich und die Schauspieler war „Valerian“ eine so tolle Erfahrung, dass wir sofort einen weiteren Teil machen würden. Wenn das ­Publikum einverstanden ist, dann werden wir sofort loslegen. Zwei oder drei Teile möchte ich schon noch drehen. Es gibt ja Spielraum: Valerian und Laureline sind wie zwei Cops, es gibt immer neue Fälle, der nächste Teil könnte auch ganz anders als der jetzige sein. „Transformers“ zum Beispiel wirkt auf mich immer gleich, davon sollte sich „Valerian“ unterscheiden.

Die Rezension zu „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ finden Sie hier

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