Musik-Doku

„Gimme Danger“ im Kino

Die Paten des Punk: Jim Jarmuschs Dokumentarfilm „Gimme Danger“ feiert Iggy Pop und seine wegweisenden Stooges

Iggy Pop und The Stooges, Foto: Studiocanal

Gleich zu Beginn seines Dokumentarfilms legt Jim ­Jarmusch die Messlatte gewaltig hoch. Die Stooges, so verkündet der Regisseur in einer persönlichen Anmerkung, seien schlicht die wichtigste Band in der Geschichte des Rock’n’Roll. Der Anspruch, den er damit formuliert, fällt in erster Linie auf seinen eigenen Film zurück: Derartig eingestimmt, möchte der Zuschauer nun auch wissen, ­warum. Doch das vermag die eher brave Doku über eine ganz und gar nicht brave Band nur bedingt einzulösen.
Zwar vermeidet Jarmusch alle Lobhudeleien von Bewunderern und lässt die Musiker um Sänger Iggy Pop die ­Geschichte der Stooges von den Anfängen in Schülerbands bis zur Reunion in den 2000er-Jahren lieber in ihren eigenen Worten erzählen. Doch die Bedeutung der Band speist sich aus verschiedenen Faktoren: Da ist zum einen die Zeitlosigkeit ihrer epochalen LPs „The Stooges“ (1969), „Fun House“ (1970) und „Raw Power“ (1973, als Iggy and The Stooges) sowie die zeitgenössisch einzigartige, konfrontative Attitüde Iggy Pops angesichts eines weitgehend feindlichen Publikums. Auf der anderen Seite aber steht auch die Rezeptionsgeschichte der Stooges als wichtigster Einfluss auf den Punkrock der späten 70er-Jahre: Zwar mögen die Stooges kommerziell ein Reinfall gewesen sein, doch ihre wenigen Bewunderer fanden allein durch ihre Rolle als Außenseiter bald Gleichgesinnte, mit denen sie etwas Eigenes auf die Beine stellen konnten. Das aber vermag der Film nicht wirklich zu vermitteln, auch wenn er es nicht völlig unterschlägt. Und wer – selbst in späteren Jahren – einmal live gesehen und gehört hat, wie Gitarrist James Williamson die ersten Akkorde von „Raw Power“ anschlägt, der weiß sowieso: Die brachiale Gewalt dieser Band lässt sich filmisch nicht einfangen.

Gimme Danger USA 2016, 108 Min., R: Jim Jarmusch, Start: 27.4., Preview: Do 20.4., 21.45 Uhr, International, ab Mitternacht zu Iggys 70. Geburtstag Party, Special Guest: Toningenieur Eduard Meyer

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