Kino & Stream

„A Girl Walks Home Alone at Night“ im Kino

A Girl Walks Home Alone at Night

In einem Interview hat Ana Lily Amirpour, die Regisseurin und Autorin von „A Girl Walks Home Alone at Night“, kürzlich gesagt: „Ich würde nicht nicht sagen: Ich bin Iranerin. Ich weiß nicht, was ich bin. Ich bin wie ein Eintopf.“ Amirpour wurde in London geboren, ist in den USA aufgewachsen, ihre Familie stammt aus dem Iran. Da kommt einiges zusammen. So wie in ihrem ersten Spielfilm „A Girl Walks Home Alone at Night“, den man irgendwie auch als einen Eintopf bezeichnen kann. Allerdings als einen, der bisher recht vielen Leuten geschmeckt hat. Auf Festivals ist er sehr erfolgreich gelaufen, jemand hat Amirpour bereits mit Quentin Tarantino verglichen, ihr kommender Film „The Bad Batch“ (angeblich eine Kannibalen-Lovestory) wird vom Indie-Schwergewicht Annapurna Pictures produziert.
Was in „A Girl Walks Home Alone at Night“ steckt: eine Vampirin (Sheila Vand), die einsam durch die Straßen von Bad City streift, gerne auch auf einem Skateboard rollend. Der von ihr getragene Tschador weht dabei anmutig im Wind. Ein verloren wirkender junger Mann (Arash Marandi), der einen auf James Dean macht und den Amirpour ein wenig zum männlichen Lustobjekt des Films stilisiert. Außerdem: ein Heroin spritzender Vater, eine Prostituierte, Ölpumpen, US-Oldtimer, Gangster, Madonna-Poster und Synthpop vom Label Italians Do It Better. Gesprochen wird Farsi, gedreht wurde in den USA. An einem Nicht-Ort zu einer Nicht-Zeit. In Bad City gibt es nur ein Jetzt, und dem widmet sich Amirpour in manchmal fast epischer Länge.
Die durchgehend gefälligen Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen in einigen Szenen nicht viel mehr als den (zugegeben sehr schönen) Prozess, in dem die Münder von Girl und Boy endlich zueinanderfinden. Minuten veranschlagt der Film für diesen in Bilder übersetzten Magnetismus. Zwischendrin gibt es auch eine Szene, in der Leichen in eine Erdgrube geworfen werden – Momente, wie sie in Bad City stattfinden. Einen Zusammenhang darf man selbst imaginieren, das vermutete Massengrab ist seltsam entkontextualisiert. ?“A Girl Walks Home Alone at Night“ lässt auch immer wieder Feministisches anklingen. ?Einem kleinen Jungen, der dem Girl auf einer menschenleeren Straße begegnet, fletscht sie „Bist du ein guter Junge?“ entgegen, ihre langen Eckzähne kommen dabei zum Vorschein.
Im Film steht das alles nebeneinander, taucht auf und wieder ab. Bad City jedenfalls wird seinem Namen gerecht, ist vielleicht auch Metapher für ein verkommenes Ganzes. Diese Stadt ist überall, ist universal. Dennoch wirkt „A Girl Walks Home Alone at Night“ ein bisschen wie eine Graphic Novel, durch die man blättert, vor und zurück, und bei der es nicht so wichtig ist, an welcher Stelle man ansetzt. Sie sehen alle gut aus. Aber worum ging es noch mal?

Text: Caroline Weidner

Foto: Capelight Pictures

Orte und Zeiten: „A Girl Walks Home Alone at Night“ im Kino in Berlin

A Girl Walks Home Alone at Night, USA 2014; Regie: Ana Lily Amirpour; Darsteller: Sheila Vand (Mädchen), Arash Marandi (Arash), Marshall Manesh (Hossein); 100 Minuten

Kinostart: Do, 23. April 2015

Mehr über Cookies erfahren