Drama

„Gleißendes Glück“ im Kino

Die inneren Dämonen: In einer platonischen Beziehung offenbart sich die Obsession

Foto: Martin Valentin Menke

Mit ihren altbackenen Kleidern sieht Helene Brindel (Martina ­Gedeck) aus wie aus dem Jetzt gefallen. Auch die Beziehung zu ihrem gewalttätigen Gatten Christoph (Johannes Krisch) zeugt nicht gerade von Selbstbewusstsein. Zudem ist dieser Frau auch ihr Glauben an Gott abhanden gekommen. Interesse weckt da nur noch ­Eduard E. Gluck (Ulrich Tukur). Der Wissenschaftler ist mit seinem neuen Buch „Neue Kybernetik“ auf Lese-Tour, Helene reist zu ihm in die Großstadt, und schon bald entspinnt sich eine platonische Beziehung zwischen den beiden, in der sie privateste Gedanken austauschen und Eduard ihr seine Obsession offenbart: Pornografie.
Nach eher leichteren Filmen wie dem sträflich unterschätzten Piratenfilm „12 Meter ohne Kopf“ hat sich der Berliner Regisseur Sven Taddicken nun des Romans von A.L. Kennedy angenommen. Und da werden diffizile Themen wie Religion, Gewalt in der Ehe, ­Pornografie und Abhängigkeiten behandelt. Da ist es klug von Taddicken, in seiner kühlen In­sze­nierung eine gewisse Distanz zu wahren und lieber auf das Können seiner erstklassigen Besetzung zu vertrauen. Welches Frauen­bild hier transportiert wird, das soll der Zuschauer selbst entscheiden.

Gleißendes Glück D 2016, 102 Min., R: Sven Taddicken, D: Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Johannes Krisch, Start: 20.10.

Bewertungspunkte5

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