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„Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague“ im Kino

Godard_trifft_TruffautAuf dem Foto (links) hatten sie noch gut lachen, die beiden Galionsfiguren der Nouvelle Vague, Jean-Luc Godard und François Truffaut. Doch wenig später war Schluss mit lustig: Nachdem er Truffauts Film-im-Film-Komödie „La nuit amйricaine“ (Die amerikanische Nacht, 1973) gesehen hatte, schickte der seinerzeit maoistisch-godardistisch orientierte Jean-Luc einen Brief an François, in dem er ihm eine bourgeoise Attitüde attestierte und ihm vorwarf, er habe sich von der Traumwelt des Kinos einfangen lassen. Truffaut hieb wütend und beleidigt zurück – der Riss in der Freundschaft der beiden, die in gemeinsam verbrachten Stunden in Pariser Filmclubs der frühen 1950er Jahre und der Arbeit als Filmkritiker (u.a. für die „Cahiers du Cinйma“) gründete, ließ sich bis zu Truffauts Tod im Jahr 1984 nicht mehr kitten.

Regisseur Emmanuel Laurent und sein Autor Antoine de Baecque, seines Zeichens sowohl Truffaut- als auch Godard-Biograf und ehemaliger Chefredakteur der „Cahiers du Cinйma“, zeichnen in ihrer Dokumentation „Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague“ mit viel Archivmaterial nun ebendiese Freundschaft nach: Die junge Schauspielerin Isild Le Besco blättert sich dafür durch Stapel alter „Cahiers“-Ausgaben und sichtet Filmausschnitte, historische Interviews vermitteln eine Einsicht in die gemeinsamen Einflüsse, aber auch in das unterschiedliche Selbstverständnis der Protagonisten in ihrer Eigenschaft als Regisseure. Dabei stellt sich allerdings schnell heraus, dass der biografische und wenig analytische Ansatz de Baecques nicht wirklich genügt. Dass Godard der wohl einflussreichste Filmregisseur der letzten 50 Jahre ist (die Wirkung seines die Welt befragenden, essayistischen Metakinos auf die Regisseure des New Hollywood lässt sich gar nicht überschätzen) oder dass Truffauts Enthusiasmus und genauer Blick auch heute noch als Vorbild für die Filmkritik dienen kann, bleibt hier gänzlich unerwähnt.

Stattdessen wird man das ungute Gefühl nicht los, dass der Film im Grunde der Desavouierung Jean-Luc Godards dient: Unterschwellig lässt „Deux de la Vague“ ihn wie einen Aufschneider mit wenig eigenen Ideen erscheinen, der ohne die Hilfe Truffauts nie etwas auf die Reihe bekommen hätte und immer nur auf die Erfolge von Kollegen neidisch war. Doch damit macht sich der Film die Sicht Truffauts zu eigen, die dieser in seiner ersten Wut über Godards Vorwürfe äußerte. Das ist kleinlich, da muss man fast 40 Jahre später schon mehr erwarten.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague“ im Kino in Berlin

Godard trifft Truffaut – Deux de la Vague Frankreich 2009; Regie: Emmanuel Laurent; 96 Minuten; FSK 6

Kinostart: 28. April

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