Drama

„Goodbye, Christopher Robin“ im Kino

Im Schatten des Bären: „Goodbye, Christopher Robin“ erzählt vom Schöpfer von Pu

Hierzulande kennt man Winnie Puuh, den tapsig-liebenswerten Bären mit dem unbändigen Appetit auf Honig, vor allem aus den zahlreichen Zeichentrickkurzfilmen von Walt Disney (oder vielleicht auch durch die hoch gelobten Übersetzungen von Harry Rowohlt), in seinem Ursprungsland Großbritannien ist er dagegen ein Stück Kulturgut, mit dem auch heute noch viele Kinder als (Vor-)Lesestoff aufwachsen.

Erdacht wurden er und seine Freunde, der abenteuerlustige Tigger, der phlegmatische Esel, das süße Ferkel und der kleine Junge Christopher Robin, die im Hundertmorgenwald eine glückliche Zeit verbringen, von dem Schriftsteller A.A. Milne, der nach seinen traumatischen Erfahrungen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs in der Abgeschiedenheit der ländlichen Natur etwas Positives schaffen wollte, nachdem er seine Kriegserfahrungen zuvor in dramatischen Werken verarbeitet hatte.

Dass er dem kleinen Jungen in den Geschichten den Namen seines eigenen Sohnes Christopher Robin gab, erwies sich als eine verhängnisvolle Entscheidung, denn durch die enorme Popularität der Bücher wurde der damals Achtjährige ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt, ein früher Medienstar, der mit den Lesern der Bücher für Fotos posieren musste. Die Unschuld, die A.A. Milne mit seinen Büchern beschwor, wurde seinem Sohn genau dadurch genommen, das ist das Paradox dieser Geschichte, die mit dem Zweiten Weltkrieg einen tragischen Höhepunkt findet. Dadurch, dass der Film genau damit beginnt, hängt über ihm die ganze Zeit ein großer schwarzer Schatten. Er macht diese Geschichte, wie eine der beliebtesten Kinderbuchfiguren entstand, damit kaum zu einem geeigneten Film für einen Familienkinobesuch (jedenfalls nicht mit jüngeren Kindern). Genau das allerdings muss man dem Regisseur Simon Curtis, der hier nach „My Week with Marilyn“ und „Die Frau in Gold“ ein weiteres Mal eine reale Geschichte verarbeitet, hoch anrechnen.

Goodbye Christopher Robin GB 2018, 107 Min., R: Simon Curtis, D: Domhnall Gleeson, Margot Robbie, Kelly Macdonald, Start: 7.6.

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