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„Grace of Monaco“ mit Nicole Kidman

Grace_of_Monaco_26_c_SquareOne_Universum_2013StoneAngels_DavidKoskasZunächst verschob der amerikanische Koproduzent Harvey Weinstein die US-Premiere und ließ eine eigene Schnittfassung für den amerikanischen Markt erstellen, die wiederum Regisseur Olivier Dahan für einen Haufen Bockmist hielt. Dann blieb die fürstliche Grimaldi-Familie der Cannes-Premiere fern, weil sie von einem schlechten Trailer auf einen ebenso schlechten Film schloss und überhaupt die historischen Ereignisse rund um einige Monate der Fürstin Gracia und des Fürstentums Monaco in den Jahren 1961/62 falsch dargestellt sah. Man darf vermuten, dass sowohl Weinstein als auch die  Grimaldis wohl am liebsten einfach eine Wiederholung sämtlicher Klischees von der glücklichen Heirat des glamourösen Filmstars Grace Kelly mit dem Traumprinzen Rainier III. gesehen hätten, die sich unter kommerziellen Gesichtspunkten am lukrativsten vermarkten lassen.

Mittlerweile ist die Cannes-Premiere von „Grace of Monaco“ gelaufen, und an den ersten Rezensionen wird klar, dass der Film weltweit in den Boden gestampft wird: behäbig, langweilig, unfreiwillig komisch, aber überhaupt nicht kontrovers lauten die ersten Reaktionen der internationalen Presse. Doch irgendwie erscheint das auch ein wenig wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Man hatte Schlimmes erwartet, der Trubel im Vorfeld ging allen auf die Nerven, und jetzt wird ordentlich draufgehauen.

Nun gibt es mit „Grace of Monaco“ zwar kein missverstandenes Meisterwerk zu verteidigen, doch im Rahmen der Vorgabe eines kommerziellen Unterhaltungsfilms kann man sich beileibe Schlimmeres ansehen: Die oben erwähnten Klischees werden klar als solche benannt in einem Film, der halbfiktiv, tatsächlich wenig kontrovers und weitgehend undramatisch (andere nennen das dann eben behäbig) das Lebens des unausgefüllten Ex-Filmstars Grace Kelly (Nicole Kidman) nachzeichnet, der sich auch fünf Jahre nach der Heirat mit Fürst Rainier (Tim Roth) in das Palastleben nicht richtig einfinden kann. Das historisch verbürgte Angebot Alfred Hitchcocks, die Hauptrolle in „Marnie“ zu übernehmen, wird die Fürstin jedoch angesichts einer monegassischen Staatskrise – Frankreichs Präsident de Gaulle verhängte seinerzeit eine Blockade über das fast bankrotte Monaco, mit er der die politisch, wirtschaftlich und logistisch eng mit Frankreich verbundene Steueroase zur Einführung von Steuern und einem Abwerbungsstopp französischer Firmen bewegen wollte – nicht annehmen (können).

Grace_of_Monaco_05_c_SquareOne_Universum_2013StoneAngels_DavidKoskasStattdessen begreift Grace nunmehr den Part der Landesmutter als ein Schauspiel, für das sie wie bei einer Filmrolle mit der Unterstützung von Experten trainiert und probt. Das ist zwar kein sagenhaft origineller Gedanke – doch wirklich von der Hand weisen kann man ihn auch nicht: Repräsentation und möglichst positive PR gehören zweifellos zu den ersten Pflichten fürstlicher Familien.

Was dem einen oder anderen in dieser Hinsicht unfreiwillig komisch erschienen sein mag, etwa der pseudo-kitschige Schluss, an dem Grace auf einem Rotkreuz-Ball eine tränenreiche, nicht einmal sonderlich gute (und völlig fiktive) Rede hält, die de Gaulle (ebenfalls völlig fiktiv) zum Einlenken zwingt, muss man in diesem Zusammenhang sehen: Die Fürstin bietet ein optimal auf mediale Wirksamkeit getrimmtes Schauspiel, das als solches durchaus Sinn macht, während es vielleicht zugleich den Sinn des gediegenen Kunsthandwerkers Olivier Dahan („La vie en rose“) für ein wenig Kitsch und große Gesten befriedigt.

Die tatsächliche Crux des Films liegt eher in einer Figurenkonstellation, die mit Grace und Rainier zwei so kontrollierte und zurückgenommene Personen ins Zentrum stellt, dass sich eine emotionale Verbundenheit der Figuren sowohl zueinander als auch zum Publikum nur schwer herstellen lässt. Dass Nicole Kidmans Darstellung der Fürstin jetzt unter anderem gehässig als „Schockstarre“ bezeichnet wurde, schlägt letztlich in die gleiche Kerbe. Doch was bitte soll man erwarten, wenn Hitchcocks eisigste Blondine von einer anderen Eisblondine verkörpert wird? Damit muss man leben – und man kann es auch.     

Text: Lars Penning

Foto: SquareOne / Universum 2013 Stone Angels / David Koskas

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: Grace of Monaco“ im Kino in Berlin

Grace of Monaco Frankreich/USA/Luxemburg 2014; Regie: Olivier Dahan; Darsteller: Nicole Kidman (Grace Kelly), Tim Roth (Fürst Rainier III.), Paz Vega (Maria Callas); 102 Minuten; FSK 0; Kinostart: 15. Mai

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