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„The Grand Budapest Hotel“ im Kino

The Grand Budapest Hotel

Im wilden Osten von Europa gibt es viele Zauberberge. Sie sind meist dicht bewaldet, und auf einer Bergzacke steht gern ein verwunschenes Gebäude. So eines wie das „Grand Budapest Hotel“ in dem neuen Film von Wes Anderson. Es handelt sich dabei um eine Nobelherberge, die ganz und gar aus der Zeit gefallen ist. Oder man könnte auch sagen: die in einer Vergangenheit stecken geblieben ist, an die sich nur noch Menschen mit viel Fantasie erinnern können.
In diesem Hotel hat ein Concierge namens M. Gustave (Ralph Fiennes) alles im Griff. Er ist eine opernhafte Figur, ein großer Schwadroneur und Welterklärer, der nebenbei auch noch den älteren Damen gefällig ist. M. Gustave erklärt einem jungen Mann das Metier, der als Lobby-Boy im Grand Budapest Hotel seine Karriere beginnt. Sein Name ist Zero Moustafa, und Wes Anderson macht aus dieser Figur nebenbei einen Stellvertreter für alle Heimat- und Staatenlosen, für all die Menschen also, die in den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts als vogelfrei galten.
Um nichts Geringeres geht es in „Grand Budapest Hotel“ denn auch. In der für ihn typischen, verschrobenen und höchst artifiziellen Weise erzählt Wes Anderson hier von dem extremen 20. Jahrhundert, das in eine Welt bricht, die von einem alten Geist beseelt ist. Inspiriert von den Büchern von Stefan Zweig („Die Welt von Gestern“), lässt der New Yorker Regisseur uns hier in eine versunkene Hochkultur eintauchen, in der all das auftaucht, was sich in den Jahren seit 1914 an Ungeist und Gewalt vorgedrängt hat.  Und doch ist hier, auf die große Geschichte umgelegt, das zentrale Thema von Wes Anderson einmal mehr übermächtig: Seine Filme handeln vom Verlust ganzer Welten, die er dann mit viel Liebe zum Detail als Kulisse und Puppenhaus noch einmal nachbaut, um sie mit melancholischen Komikern zu besiedeln.

Text: Bert Rebhandl

Foto: 2013 Fox Searchlight

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Grand Budapest Hotel“ im Kino in Berlin

The Grand Budapest Hotel, ?USA/Deutschland 2013; Regie: Wes Anderson; Darsteller: Ralph Fiennes (M. Gustave), Tony Revolori (Zero), Adrien Brody (Dmitri); 100 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 6. März

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