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Guillaume Niclouxs „Die Nonne“

Die_Nonne_09_c_CaminoFilmverleihEr ist eine Abrechnung mit dem geistlichen Stand am Beispiel einer jungen Frau, die ge­gen ihren Willen ins Kloster verbracht wird und dort Bigotterie, Terror und sexuelle Übergriffe erfährt. Der französische Regisseur Guillaume Nicloux interessiert sich in seiner Neuverfilmung des Stoffes allerdings weniger für die gesellschaftlichen und religiösen Strukturen des 18. Jahrhunderts als für den modernen Kern, welcher der Geschichte innewohnt: den Kampf einer niemals aufgebenden Frau für ihre Würde und Selbstbestimmung. Dabei sieht sich Suzanne Simonin (Pauline Etienne) einem gewaltigen psychischen Druck ausgesetzt: Immer wieder reden Eltern, Priester und Oberinnen auf die 16-Jährige ein und versuchen, sie zu Dingen zu bewegen, die sie nicht will. Doch auch, wenn sie sich in ihrer Unerfahrenheit nicht immer zur Wehr setzen kann – zum Opfer lässt sie sich in ihrer stillen Beharrlichkeit niemals machen. Nicloux setzt das ruhig und mit einer klaren Intensität in Szene, die Suzannes Kampf um ihre persön­liche Freiheit ergreifender macht als lautes Melodrama.

Text: Lars Penning

Foto: Camino Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Nonne“ im Kino in Berlin

La rйligieuse Frankreich/Deutschland/Belgien 2012; Regie: Guillaume Nicloux; Darsteller: Pauline Etienne (Suzanne Simonin), Isabelle ­Huppert (Mutter Oberin Sainte-Eutrope), Martina Gedeck (Suzannes Mutter); 107 Minuten; FSK 12

Kinostart: 31. Oktober

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