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„Guilty Of Romance“ im Kino

Guilty Of Romance

Der adrette Schriftsteller Yukio Kikuchi (Kandji Tsuda) schreibt erfolgreich romantische Liebesromane. Doch in seiner Ehe mit Izumi (Ex-Erotikmodel Megumi Kagurazaka) fehlt die Leidenschaft, mit der er seine weiblichen Leser verzaubert. Doch dann wird Izumi auf der Straße angesprochen und zu Nacktfotos überredet. Sie findet Bestätigung bei ihrem geheimen Nebenjob und lässt sich zum Sex vor der Kamera überreden. Als sie die Literaturprofessorin Mitsuko Ozawa (Makoto Togashi) trifft, die nachts als Edelprostituierte im Rotlichtmilieu Erfüllung findet, wird harter Sex mit fremden Männern auch für Izumi ein belebender Akt des Ungehorsams und der Emanzipation, mit dem sie sich aus dem Gefängnis ihrer freudlos ritualisierten Ehe befreit.
Die Darstellung sexueller Erniedrigung von Frauen ist in Japan seit der Erfindung des „Pinky Violence“-Subgenres Anfang der 1970er-Jahre ein etablierter Bestandteil des Gebrauchskinos und wird auch in „Guilty of Romance“ nicht großartig hinterfragt oder künstlerisch gerechtfertigt. Was nicht bedeutet, dass der japanische Autor und Regisseur Sion Sono nicht auch kunstvolle und symbolisch aufgeladene Bilder für die aufkeimende sexuelle Befreiung seiner weiblichen Protagonistin findet. Sono hat sich mit Filmen wie „Love Exposure“ (2008) und „Cold Fish“ (2010) einen Namen als ungestümer Provokateur gemacht und
seine exzessiv bebilderte Identitätskrise einer braven Hausfrau wird diesem Ruf gerecht. „Guilty of Romance“ wirkt, als hätte ein brunftiger junger David Lynch in Japan eine Neuverfilmung von Luis Buсuels „Belle de Jour“ gedreht. Sonos infantiler Provokationswille und seine Vorliebe fürs Sexploitationkino stehen allerdings der Souveränität im Wege, die die Altmeister der Subversion so auszeichnet.
Dafür platzt aber 144 Minuten lang die Wurst. Denn der Verleih veröffentlicht die um 32 Minuten längere japanische Fassung des Films in den deutschen Kinos, die einen zusätzlichen Erzählstrang mit der Kommissarin Kazuko Yoshida (Miki Mizuno) beinhaltet, die mit der Aufklärung eines blutigen Prostituiertenmordes beauftragt ist und heimlich eine sadomasochistische Affäre hat.

Text: Jörg Buttgereit

Foto: Rapid Eye Movies Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Guilty Of Romance“ im Kino in Berlin

Guilty Of Romance (Koi no tsumi), Japan 2011; Regie: Sion Sono; Darsteller: Megumi Kagurazaka (Izumi Kikuchi), Miki Mizuno (Kazuko Yoshida), Makoto Togashi (Mitsuko Ozawa); 144 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 19. Juli

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