Biopic

„Gundermann“ im Kino

Andreas Dresens souveränes Porträt über den legendären DDR-Liedermacher

Peter Hartwig/ Pandora Film

Liedermacher. Baggerfahrer. Stasi-Spitzel. Gundermann. Als in West-Deutschland sozialisierter Mensch wird man diese DDR-Biografien zwischen authentischer Unangepasstheit und schnödem Verrat, zwischen Weltverbesserungsideen und Egozentrik wohl nie richtig verstehen können. Auch nicht, was Gundermanns vom Alltag kündende Lieder den Leuten damals wirklich bedeutet haben und warum viele von ihnen so großzügig bereit waren, ihm den 1995 bekannt gewordenen Stasi-Verrat zu verzeihen. Eigentlich möchte man ja immer, dass Künstler, die man bewundert, sympathische Menschen sind – schon um sich einen Gewissenskonflikt zu ersparen.
Der Gerhard Gundermann, den Alexander Scheer in der Titelrolle und Andreas Dresen als Regisseur hier auf die Leinwand bringen, ist kein sonderlich sympathischer Charakter. Er wirkt auf nahezu grausame Weise eigensinnig, in einer Mischung aus Naivität und Egomanie, die schon fast ans leicht Autistische grenzt. Gundermann schont nichts und niemanden – auch nicht sich selbst.
Dass man ihm dabei trotzdem zwei Stunden lang gern zusehen mag, liegt an Dresens Kunst, in seinen Filmen Menschen mit all ihren Fehlern zum Leben zu erwecken. Hier stimmen einmal mehr die Dialoge, die Lieder, das Milieu, die Besetzung. Und am Ende ist es plötzlich gar nicht mehr so wichtig, ob man Gundermanns Beweggründe verstehen kann. Er versteht sie ja selbst nicht, ist vielleicht ­sogar derjenige, der von sich selbst am meisten enttäuscht ist.

Gundermann D 2018, 128 Min., R: Andreas Dresen, D: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Milan Peschel, Start: 23.8.

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