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„Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ im Kino

Man erkannte sie auf den Straßen Berlins sofort an ihrer orangefarbenen Kleidung und der Halskette mit dem Foto des Meisters. Ein gewohntes Bild Anfang der 80er, am Lehniner Platz betrieben die Sannyasins genannten Anhänger des Gurus Bhagwan Shree Rajneesh sogar eine eigene, sehr populäre Disko.
Vor dem Eintritt in seine dekadente Phase verfügte Bhagwan (Sanskrit: der Gesegnete) zweifelsohne über außergewöhnliche Strahlkraft, davon konnte sich der Autor dieser Zeilen bei einer der allmorgendlichen Ansprachen 1976 in Poona selber überzeugen. Bhagwan war ein charismatischer, fesselnder Redner, der seine Weisheiten mit Witz und provokanten Sprüchen kundtat. Kritiker attestierten ihm später Habgier, Narzissmus und Größenwahn, für die US-Justiz war er ein Krimineller: 1985 wurde er verhaftet, zu 10 Jahren auf Bewährung sowie 400?000 Dollar Strafe verurteilt und des Landes verwiesen.
Sachlich, mit schönen, teilweise psychedelischen Bildkompositionen, vermittelt die Dokumentation „Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ von Sabine Gisiger und Beat Häner einen kleinen Eindruck vom Kult um Bhagwan (bürgerlich: Chandra Mohan Jain, 1931-1990). Ausgiebig zu Wort kommen zwei seiner hochrangigen Jünger, über Bhagwans Biografie und die synkretischen Lehren des ehemaligen Philosophie-Professors erfährt man hingegen wenig.
Sein englischer Leibwächter Hugh war wie viele andere Anhänger aus Europa oder Amerika anfangs vor allem von der sexuellen Freizügigkeit begeistert, die Bhagwan in seinem Ashram im indischen Poona predigte. Seine Sekretärin Sheela übernahm beim Umzug der Groß-Kommune nach Oregon und während Bhagwans selbst auferlegtem öffentlichen Schweigegelübde die Leitung – wie eine Art Sekten-Dominatrix regierte sie autokratisch mit eiserner Hand. Bei Auseinandersetzungen mit den zunehmend feindselig gesinnten Anwohnern in der Nachbarschaft der „Rashneesh Ranch“ reagierte Sheela mit Gewaltandrohung und Bio-Terror – 1984 verseuchte die Sekte über 700 Einwohner von The Dalles mit Salmonellen. Der Guru widmete sich derweil der Vergrößerung seiner Rolls-Royce-Flotte, 93 Autos der britischen Nobelmarke sollen es am Ende gewesen sein.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ im Kino in Berlin

Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard, Schweiz 2010; Regie: Sabine Gisiger und Beat Häner; 98 Minuten

Kinostart: 23. September

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