Drama

„Gutland“ im Kino

Der fremde Deutsche: Die Idylle trügt in „Gutland“

Foto: Laurent Thurin Nal

Die Landschaft ist eigentlich sehr schön. Idyllisch geradezu. Der Wald, der See, die Felder, die vom weichen, goldenen Spätsommerlicht geflutet werden. Doch wie so oft im Kino besteht auch in Govinda Van Maeles Debütfilm „Gutland“ kein Zweifel: Die Beschaulichkeit trügt, irgendetwas stimmt nicht in der luxemburgischen Dorfgemeinschaft, in der der fremde Deutsche namens Jens (Frederick Lau) anfangs landet und nach Arbeit fragt, während die Ernte eigentlich schon in vollem Gang ist. Und doch: Obwohl er allein schon durch die sprachlichen Unterschiede immer ein bisschen außen vor scheint, findet er irgendwie hinein in diese geschlossene Gesellschaft: Er hilft auf dem Hof, kommt Lucy (Vicky Krieps, „Der seidene Faden“) näher und soll sogar Trompete im Dorforchester spielen.

Mit der Musik und einem stark entschleunigten Bilderfluss kreiert Van Maele dabei geschickt eine ungewöhnliche Atmosphäre. Wenn Jens nicht gerade in Todesangst vor Erntemaschinen durch ein Maisfeld rennt, lässt er den ruralen Thriller, der auch ein wenig in den Provinzbeobachtungen von „Gutland“ steckt, aber leise – im Mittelteil vielleicht zu leise – rumoren. Bisweilen hat das Ganze etwas Bedrohliches, ist surreal der Wirklichkeit entrückt und gut mit Geheimnissen und der einen oder anderen Abgründigkeit aufgefüllt. Ganz gleich, ob es um seltsame Nacktbilder geht oder um einen Dorfbewohner, der vor einiger Zeit über Nacht spurlos verschwand. Auch über Jens selbst erfährt man erst nach und nach etwas mehr: dass er sich auf der Flucht befindet, in ein Verbrechen verwickelt ist und eine Tasche voller Geld versteckt.

Allerdings werden die rätselhaften Andeutungen und Motive, die Van Maele zuvor ins Spiel brachte, zum Ende hin teils zu simpel wieder aufgegriffen. Nachdem sich vorher durchaus wirkungsvoll etwas zusammenbraute, schwächelt „Gutland“ auf den eskalierenden letzten Metern – bis er in allerletzter Konsequenz dann doch noch einmal überraschen kann. Sascha Rettig

Gutland LUX/B/D 2017, 107 Min., R: Govinda Van Maele, D: Frederick Lau, Vicky Krieps, Marco Lorenzini, Start: 3.5.

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