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„Habermann“ im Kino

Habermann

Was soll man von einem Film erwarten, der Ben Becker als lüsternen, sadistischen Nazioffizier besetzt? Wohl in etwa das: einen Plot von der Vorhersehbarkeit eines Krippenspiels, holzschnittartige Psychologie, unterkomplexe Ästhetik und maximale moralische Trennschärfe. Das ist leider auch die kritische Kurzfassung zu „Habermann“.
Der Film über den aufrechten deutschen Sägewerksbesitzer im Sudetenland, der nach dem Einmarsch der Nazis das Rechte tut und das Böse lässt und 1945 dann doch Opfer der Geschichte wird, ist eine deutsch-tschechische Koproduktion mit einem slowakischen Regisseur – und opfert jede Vielschichtigkeit dem guten Willen, endlich auch dem Leid der Täternation gerecht zu werden. Dass der Film dabei an deutschtümelnde Geschichtsschmonzetten des NS-Kinos, an Ucicky oder Harlan erinnert, mag Nebeneffekt der dramaturgischen und psychologischen Schwächen sein. Das Defilee böser Karikaturen, vom Bürgermeister über den Hotelier bis zur Haushälterin, wirkt gerade angesichts des Traditionalismus und Naturalismus der Inszenierung perfide.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Ärgerlich

Orte und Zeiten: „Habermann“ im Kino in Berlin

Habermann, Deutschland/Österreich/Tschechien 2009; Regie: Juraj Herz; Darsteller: Mark Waschke (August Habermann), Karel Roden (Jan Brezina), Ben Becker (Koslowski); 104 Minuten; FSK 12

Kinostart: 25. November

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