Kriegsfilm

„Hacksaw Ridge“ im Kino

Mel Gibsons leidender Held: „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ zeigt einen Pazifisten im Krieg

Foto: Universum Filmverleih

Mel Gibsons Filmhelden mussten auf dem Weg zur Erlösung schon immer durch Blut und Schmerzen waten, ob in „Braveheart“, „Die Passion Christi“ oder „Apocalypto“. Für seinen neuen Film hat sich der vor zehn ­Jahren wegen öffentlicher Ausfälligkeiten in Hollywood in Ungnade gefallene Regisseur eine so passende wie unwahrscheinliche, aber wahre Geschichte ausgesucht: die eines pazifistischen Kriegshelden.
Desmond Doss, ein streng christlich erzogener junger Mann aus Virginia, will im Zweiten Weltkrieg zwar für sein Vaterland kämpfen, aber keine Waffe in die Hand nehmen. Als ausgebildeter Sanitäter will er Leben retten, wo die anderen töten. Die Zeit in der Heimat, in der ersten Hälfte des Films in archetypischen Norman-Rockwell-Bildern eingefangen, mündet für Doss in der Hochzeit mit der hübschen Dorothy. Im Ausbildungslager folgen die üblichen, für den standhaften Waffenverweigerer und „Feigling“ Doss besonders quälenden Schindereien, die der junge Mann mit einem so naiven wie provokanten Lächeln über sich ergehen lässt. Dann geht es hinein in die Hölle von Okinawa, deren fulminante Schlachtszenen fast die zweite Hälfte des ­Filmes einnehmen. Inmitten des ­grauenhaften, in epischer Länge auf der Leinwand zelebrierten Gemetzels bringt Doss („Herr, lass mich noch einen retten!“) insgesamt 75 verletzte Kameraden in Sicherheit.
Gibsons unglaublich blutiger (Anti?)Kriegsfilm feiert einen Kriegsdienstverweigerer als Kriegshelden, sein Pazifist schreitet durch Granatenhagel zu Licht und Anerkennung (plus Tapferkeitsmedaille). Ein furioser, ­zutiefst zwiespältiger Film, inklusive Heiligenbildchen nach Gibson-Art.

Hacksaw Ridge USA 2016, 131 Min., R: Mel Gibson, D: Andrew ­Garfield, Vince Vaughn, Sam Worthington, Teresa Palmer, Hugo Weaving, Start: 26.1.

Bewertungspunkte4

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