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„Hai-Alarm am Müggelsee“ im Kino

Hai-Alarm am Müggelsee

„Was’n ditte?!“ Die Verwunderung ist groß, als dem Bademeister (Michael Gwisdek) eines Morgens die Hand abgebissen wird, mit der er eben noch im Müggelsee herumplätscherte. Der Bürgermeister (Henry Hübchen) tut, was in solchen Fällen immer getan wird: Er richtet einen Krisenstab ein. Die Marketingexpertin Vera Baum (Anna-Maria Hirsch), der Fischexperte (Tom Schilling) und der Polizist (Detlev Buck) beginnen zu tagen und verhängen als Erstes ein Badeverbot. Das stört die Pläne des reichen Mannes von Friedrichshagen (Benno Fürmann). Kurz darauf zeigen zwei Taucher (Leander Haußmann und Sven Regener) dem gerade aus Hawaii heimgekehrten Hai-Jäger Snake Müller (Uwe Dag Berlin) die Hand des Bademeisters – und für Snake besteht kein Zweifel: Das war ein Hai.
Ein Hai im Müggelsee? Im Rathaus erkennt man das Marketingpotenzial dieser Meldung. Doch schon bald weicht die Lust an der Haijagd dem Gerangel im Krisenstab. Am Schluss wird der Hai verjagt und Snake Müller zieht seiner Wege. Das ist die Geschichte von „Hai-Alarm am Müggelsee“, einer Komödie von Leander Haußmann und Sven Regener, die wenig mehr ist als eine Verknüpfung dumpfer Stereotypen, vom Provinzbonzen mit Vorzimmerblondine über tumbe Bullen bis zum Dauerprost des Griechen – dem hier, warum auch immer, die Theaterintendanten Frank Castorf und Jürgen Flimm an die Seite gesetzt wurden. Der bräsige Witz, der hier am Werk ist, senkt sich wie ein schwerer Teppich über die Szenerie und lässt keine Spielräume entstehen, in denen Charaktere sich entwickeln könnten. Dabei sind die Schauspieler der einzige Lichtblick in diesem Desaster. Henry Hübchens Bürgermeister ist ein Hansdampf, den Hübchen auf der Bühne und in Filmen schon so oft souverän gegeben hat, dass man hier den Variationsreichtum seiner Interpretation bewundern darf. Auch Detlev Bucks Polizistenrolle ist ein klassischer Buck, die an die Anfänge seiner Schauspieler-Filmografie anknüpft. Tom Schilling und Michael Gwisdek sind in ihren Rollen ebenso überzeugend, obwohl Schilling überhaupt keinen komödienkompatiblen Dialog abbekommen hat. Entscheidend ist, dass sich die Schauspieler auf ihre Charaktere eingelassen haben, ihnen vertrauen. Leider wird dieses Vertrauen von der Regie nicht erwidert, die schon bei der Montage zerstört, was von den Schauspielern angeboten wird. Von Timing, dieser in der Musik und bei der Filmmontage so entscheidenden Qualität, scheinen Haußmann/Regener noch nie etwas gehört zu haben. Pointierung, Verkürzung, Konzentration – alles Fehlanzeige. Die endlose Reihung ist das Montageprinzip, das nur einmal für eine schöne Steadycam-Sequenz unterbrochen wird. Dann geht es weiter Bild um Bild mit einer merkwürdig unbeweglichen Kamera. „Hai-Alarm im Müggelsee“ ist kein Film, sondern das Work in Progress einer Theaterinszenierung. Leider wird diese Inszenierung nie fertig. Unfertiges reiht sich an Unfertiges, doch das Provisorische, das sich hier ausbreitet, besitzt keinen Charme. Eine Idee, die das Ganze vielleicht erklären könnte, ist nicht auszumachen. Stattdessen will jede Einstellung hinausposaunen: „Wir sind jetzt mal so richtig komisch.“ Das nervt in seiner Penetranz und knüpft nahtlos an die Tiefpunkte des deutschen Unterhaltungskinos an, an die Pauker- und Heinz-Erhardt-Filme, an den spießigen Bodensatz des 50er-Jahre-Kinos, den man sich immerhin im Rückblick mit einem gewissen Amüsement ansehen kann – was man über „Hai-Alarm im Müggelsee“ auch in vierzig Jahren eher nicht behaupten können wird.

Text: Nicolaus Schröder

Foto: X-Verleih

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „Hai-Alarm im Müggelsee“ im Kino in Berlin

Hai-Alarm am Müggelsee, Deutschland 2013; Regie: Leander Haußmann, Sven Regener; Darsteller: Henry Hübchen (Bürgermeister), Michael Gwisdek (Bademeister), Uwe Dag Berlin (Snake Müller); 103 Minuten; FSK 12

Kinostart: 14. März

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