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Dokumentarfilm

„Halbes Hähnchen vom Himmel – Zwangsräumungen in Berlin“ im Kino

2014 gab es weit über 7.000 Zwangsräumungen von Wohnungen in Berlin, seitens der Immobilienbranche wird die Anzahl der Wohnungsräumungen für die letzten Jahre als rückläufig eingeschätzt, aber das ist nur Zahlenkosmetik angesichts von weiterhin geschätzt 5.000 bis 7.000 Räumungstiteln, die pro Jahr gerichtlich verfügt werden. 2014 musste Mevla W. ihre Kreuzberger Wohnung verlassen, in der sie 28 Jahre gelebt hat

Halbes Hähnchen vom Himmel – Zwangsräumungen in Berlin

Sie wäre nur eine von vielen Nummern in der Räumungsstatistik geblieben, wenn ihr die Filmemacherin Mireia Guzmán in dem Dokumentarfilm „Halbes Hähnchen vom Himmel – Zwangsräumungen in Berlin“ nicht ein Gesicht gegeben hätte. Denn hinter jeder Zwangsräumung verbirgt sich ein individuelles Menschenleben, das mit dem Trauma des Verlustes seines Zuhauses konfrontiert ist. Mevla ist sicher kein pflegeleichter Typ, sie hat ihre Ecken, Kanten und Macken, sie hat Fehler gemacht, sich letztlich mit dem ganzen System vom Vermieter bis hin zum Gericht angelegt und verloren. Aber – und das zeigt der Film eindrucksvoll – sie gibt nicht auf. Sie hat den Mut störrisch und widerspenstig zu bleiben. Es mag vielleicht nur der Mut ihrer Verzweiflung sein, aber sie leistet auf ihre Art Widerstand, das ist wichtig und macht gerade diesen Film so wichtig.

Gerade in Berlin grassiert eine zunehmende Angst selbst bei „normalen“ Mietern vor dem Verlust der Wohnung. Lieber schweigt man, verzichtet auf seine Rechte. Es braucht mehr Filme über die Mevlas dieser Stadt. Andreas Döhler

Halbes Hähnchen vom Himmel – Zwangsräumungen in Berlin D 2017, 52 Min., R: Mireia Guzmán, Start: 18.1.

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