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Hanna Schygulla: „Traumprotokolle“ in der Akademie der Künste

Hannah Schygulla

Hanna Schygulla kam 1943 in Chorzуw in der Nähe der polnischen Stadt Kattowitz zur Welt. Sie sollte eigentlich Dagmar heißen, doch dann gab ihr ihre Mutter nach einem offensichtlich ziemlich spontanen Entschluss den Namen Hanna, der aufgrund seines jüdischen Anklangs damals keineswegs selbstverständlich war. 2007 hat Schygulla über diesen Umstand, der sie bis heute beschäftigt, einen kurzen Videofilm mit dem Titel Hanna Hannah gedreht, der ab 1. Februar im Rahmen einer Ausstellung ihrer „Traumprotokolle“ in der Akademie der Künste zu sehen sein wird. Es handelt sich dabei um kleine, persönliche, experimentelle Videoarbeiten, in denen Schygulla, die ja in erster Linie als Schauspielerin bekannt ist, sich von einer bisher weitgehend unbekannten Seite zeigt. In Hanna Hannah nimmt sie die Namensgleichheit mit einer nach Auskunft ihrer Mutter außergewöhnlichen jüdischen Frau zum Anlass einer Reflexion über Gedenken und Erinnerung. Im Berliner Holocaust-Mahnmal findet sie dabei vor allem ein Labyrinth vor – wie es ja auch gedacht ist. Aus dem Stimmengewirr erhebt sich dann aber so etwas wie eine anfängliche, neue Alltäglichkeit – Hanna Schygulla durchlebt mit der toten Vorgängerin den Zerfall des Lebens, sie vermag aber auch wie aus einem Traum oder einem Film, wieder daraus aufzutauchen.
„Auf Grundlage von Aufzeichnungen habe ich einige Träume mit offenen Augen vor meiner laufenden Videokamera nacherlebt“, sagt Schygulla, und damit ist der Charakter dieser Arbeiten auch schon benannt: Es sind filmische Notizen in einer freien Form. Thematisch geht es dabei häufig um die im Wachzustand unerträglichen Grenzzustände des Lebens, um Tod und Verlust wie in Traumtunnel oder um eine Persönlichkeitsspaltung, die in Schwestern zu einer interessanten Form der Selbstannahme führt: Sie beruht gerade nicht auf der Abspaltung des nur im Traum zugelassenen anderen Ichs, sondern auf dessen Integration. Film ist, als Spiegelmedium, eine privilegierte Form für diese Bewegung zwischen den Extremen, und Hanna Schygulla weiß sie zu nutzen.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Hanna Schygulla

Hanna Schygulla, Traumprotokolle. ?Ausstellung vom Sa 1.2. bis So 30.3. in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Mitte

Eröffnung bei freiem Eintritt am Fr 31.1.?

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