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„Hannas Reise“ im Kino

Hannas Reise

Die Idee zu „Hannas Reise“ könnte aus der ZDF-Datenbank für ambitionierte Unterhaltungsstoffe stammen, historischer Goldsaum, abgerundete Kanten und Kuschelfaktor inklusive: Die ehrgeizige BWL-Studentin Hanna braucht für den nächsten Karriereschritt dringend noch etwas gesellschaftliches Engagement und reist für ein Praktikum in einer Behinderteneinrichtung nach Tel Aviv, weil „behinderte Juden doppelt zählen“. Vor Ort beginnt die erbarmungslose Logik des Entwicklungsromans zu greifen, eine Romanze tut das ihre zur Läuterung der Egomanin, und auch die Gräben der Geschichte werden tatkräftig zugeschaufelt.
Mit dieser überbegründeten Vorhersehbarkeit wäre „Hannas Reise“ eigentlich zu vergessen; der Holocaust als wohlfeiler Sentimentalitätsmotor für uninspirierte Drehbuchautoren ist mehr als ärgerlich. Angesichts dessen ist es ein kleines Wunder, wie es Regisseurin Julia von Heinz trotzdem gelingt, die Maske der Stereotypen immer wieder verschwinden zu lassen und die Orte, Gesichter und Gesten ungeschminkt zu zeigen. In diesen Momenten ahnt man, was der Film – mit mehr Neugierde und mehr Respekt vor der deutsch-israelischen Wirklichkeit – auch hätte sein können.

Text: Stella Donata Haag

Foto: 2Pilots Filmproduction GmbH / Zorro Film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Hannas Reise“ im Kino in Berlin

Hannas Reise, ?Deutschland/Israel 2013; Regie: Julia von Heinz; Darsteller: ?Karoline Schuch (Hanna), Doron Amit (Itaj), Lore Richter (Maja); ?100 Minuten; FSK 0

?Kinostart: 23. Januar

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