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„Hansel und Gretel“ von Yim Phil-sung

Hansel und GretelIn dieser sehr eigenwilligen Bearbeitung des bekannten Märchens gibt es kein Hexenhäuschen, sondern eine verwunschene Villa im Wald, wo zwei niedliche Mädchen mit ihrem älteren Bruder hausen und Erwachsene verhexen, die sich verirrt haben. Der 14-jährige Junge verfügt über telekinetische Kräfte, mit denen er Männer in den Backofen stoßen kann. Rückblenden zeigen die Hölle ihrer Kindheit im Waisenheim, wo der sadistische Direktor kleine Mädchen vergewaltigt und Knaben tot prügelt.
So originell wie die komplexe Story ist auch die Gestaltung dieses surrealen Films über die Macht der Fantasie und das Bedürfnis von Kindern nach liebevoller, elterlicher Zuwendung. Anfangs erscheint die Szenerie im Spukhaus knallfarbig wie auf Kitschpostkarten, verzerrte Perspektiven, verstörende Geräusche und Visionen deuten darauf hin, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Dann wird die Stimmung zunehmend gespenstischer, die Farben blasser, das Geschehen grässlicher (Menschen erstarren zu Puppen oder werden in Bäumstämme eingeschlossen), bis die Grenzen zwischen der Märchenwelt im Wald und der realen Welt im modernen Südkorea am Ende verschwimmen.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Sehenswert

Hansel und Gretel (Hansel-qua Gretel), Südkorea 2007; Regie: Yim Phil-sung; Darsteller: Chun Jeong-myoung, Eun Won-jae, Shim Eun-gyoung; Farbe, 116 Minuten; Extras: Kinotrailer; Verleih: MFA

Erscheinungsdatum 10. September 2009

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